Ein haushoher Wasserhahn, von dem sich ein Gartenschlauch absenkt, vom Boden wieder aufrichtet, hoch oben abdreht, nach unten stürzt, in doppelter Schneckenbewegung neuen Anlauf nimmt, um wieder aufzusteigen zu einem gewaltigen Looping, bis er schließlich hausweit vom Hahn entfernt in einem weichen Spiralschwung erschlafft. Dort ergießt er sich in einer kleinen Wasserzunge. Claes Oldenburg was here. Sein neues Monument steht am Stadtrand von Freiburg, auf einem ehemaligen Kleingartenareal. Die Laubenlandschaft war vor Jahren beim Bau eines raumverschlingenden "Berufsschulzentrums" planiert worden. Eine neue "Grünzone" wurde angelegt, und angelegt wurden auch die beträchtlichen Kunst-am-Bau-Mittel, die der teure Komplex abwarf. Einmal wollte die Stadt nicht kleinlich sein und nicht nur lokalen Kunstansprüchen genügen. Den eingeladenen Wettbewerb hat Oldenburg vor Ames, König und Tinguely für sich entschieden. Mehrmals hat er die Stadt besucht, die städtebauliche Situation sehr genau studiert und sein "Gartenschlauch"-Projekt auf sie abgestimmt. Entstanden ist ein starkes Stück Architektur. Wer mit den Augen die dramatische Rohrbewegung verfolgt, legt eine Strecke von gut hundert Metern zurück. Er wird dabei ringsum durchs Gelände geleitet, erlebt den Rohrverlauf wie eine Zeichnung, eine Linie auf der umgebenden Architektur- und Landschaftskulisse. Die Form rahmt die ausgefranste Stadtsilhouette: Hochhäuser in der Ferne, die wie einzelnstehende Zähne in den Horizont ragen, verbinden sich im Blickfenster miteinander. Der "Gartenschlauch", ein Oldenburg ganz und gar; kräftig, grotesk, gewiß kein schüchterner Solist – und doch ungewöhnlich leise in der Gestik, sich sanft einfügend, gleichviel ein Akzent im offenen Stadtraum.H.J.M.