Die Absatzkrise läßt nur noch wenigen internationalen Herstellern eine Überlebenschance

Im Schatten der Autokrise ist es auch der Reifenindustrie 1982 schlechtgegangen. Die Konzerne Michelin und Dunlop melden Riesenverluste und auch Pirelli hat zwar weltweit noch etwas verdient, aber in Europa draufgezahlt. Im Zeichen der Energiekrise werden weniger Autos gekauft. Die Autofahrer legen im Jahr weniger Kilometer zurück. Außerdem halten die Reifen länger, weil technischer Fortschritt, Zwang zum baren und der Druck der Konkurrenz zu Pneus mit geringerem Verschleiß führte. Billige Reifen herzustellen, das genügt heute nicht mehr zum Überleben in dieser Branche. Nur wer noch bessere Reifen anbieten kann, wer Neuerungen bietet, hat Chancen.

"Nur kapitalkräftige Hersteller, welche den heute erforderlichen Forschungsaufwand auf eine große Zahl verkaufter Reifen verteilen können, werden die nächsten Jahre überleben", meint deshalb der für das Weltreifengeschäft bei Pirelli zuständige Generaldirektor Guido Veronesi. Seine Schätzung: Nur fünf oder sechs von den großen Reifenkonzernen werden bis 1990 übrigbleiben.

Seit 1968 sind in aller Welt 48 Reifenfabriken stillgelegt worden. Davon 25 in den USA. In Europa wurden allein in den letzten fünf Jahren 19 Anlagen außer Betrieb gesetzt, wenn man eine gerade in Frankreich eingeleitete Stillegung mitrechnet. Davon standen acht in England und vier in Deutschland, nämlich zwei bei Phönix und je eine bei Goodrich und Metzeler.

Die US-Broker-Firma Merill Lynch sieht auf der Grundlage des Umsatzes mit Reifen die Anteile am Weltmarkt 1981 so: Michelin (Frankreich) mit 22 Prozent als Marktführer, Goodyear (USA) mit 19 Prozent dicht dahinter, dann Firestone mit elf Prozent, Bridgestone (Japan) mit 7,5 Prozent, Pirelli (Italien) mit 6,5 Prozent, Dunlop (England) mit 6 Prozent und Continental (Bundesrepublik) mit vier Prozent. Die restlichen 24 Prozent teilen sich die kleineren Hersteller.

Pirelli schätzt dagegen die Reifenumsätze und damit auch die Marktanteile der Gruppen für 1982 etwas anders ein und billigt sich dabei auf dem Weltmarkt bescheidenere fünf Prozent, auf dem europäischen Markt zehn Prozent zu. Nach der Pirelli-Rangliste kommt Goodyear bei 7,1 Milliarden Dollar Reifenumsatz mit einigem Abstand an erster Stelle. Michelin bringt es danach auf 5,7 Milliarden Dollar, Firestone auf 3,2 Milliarden, Bridgestone auf 2,2 Milliarden, Pirelli auf 1,7 Milliarden, Dunlop auf 1,5 Milliarden, Goodrich auf 1,2 bis 1,3 Milliarden, General Tire auf eine und Continental Gummi auf knapp eine Milliarde Dollar.

Um die Stärke der einzelnen Konzerne im Reifengeschäft besser beurteilen zu können, muß man aber auch wissen, welchen Anteil des Konzernumsatzes ein jeder von diesen Kolossen mit Reifen macht. Michelin macht zum Beispiel – außer seinen berühmten Hotelführern – praktisch nichts anderes als Reifen. Bei Goodyear und Firestone hat der Reifenumsatz 82 Prozent, bei Bridgestone 75 Prozent, bei Pirelli nur 42 Prozent Anteil am Konzerngeschäft.