Der Aristoteles-Schüler und Philosoph Theophrast (371-287 v. Chr.) begegnete in seinem Leben einer Menge unangenehmer Menschen. Einige dieser offenbar zeitlosen Ärgerlinge hat er in seinen "Charakterbildern" beschrieben.

Der Schmeichler

Schmeichelei kann man ein unaufrichtiges Verhalten nennen, aus dem der Schmeichler Nutzen zieht

Wenn der Schmeichler seinen Gönner begleitet, sagt er etwa zu ihm: "Merkst du, wie die Leute dir nachschauen? Die Ehre hat sonst niemand in der ganzen Stadt!"

"Gestern hat man dich in der Galerie am Markt in den Himmel gehoben." Mehr als dreißig Leute hätten herumgesessen, und als die Rede darauf gekommen sei, wer das Beste leiste, sei sein Name natürlich in aller Munde das A und das O gewesen.

Während er dergleichen schwätzt, putzt er ihm ein Fädchen – vom Mantel, und wenn ihm der Wind ein Stäubchen ins Haar geweht hat, so entfernt er es. Und lachend meint er: "Siehst du? Kaum bin ich zwei Tage nicht bei dir gewesen, da ist dein Bart schon voll grauer Haare – freilich hast du für deine Jahre noch schwarzes Haar wie irgendeiner." Wenn der Gönner etwas sagt, so heißt er die anderen still sein; hört der Gönner hin, so gibt er seinen Beifall kund, und ist er fertig mit reden, dann stimmt er laut zu: "Ausgezeichnet!"

Wenn der Gönner einen faulen Witz macht, so lacht er darüber, ja er stopft sich den Mantel in den Mund, als könne er sich vor Lachen nicht halten.