hat Nesttrieb noch die Sucht nach ihm verschärft...

Furchtbar wird Schönheit dem, der ihr verfällt.

Wie lehrt sie den, sich selbst zu hassen,

der ihr entfliehen will. Doch den sie hält.

In Richard Hamanns/Jost Hermands Beschreibung des künstlerischen Pandämoniums der "Stilkunst um 1900" heißt es: "Aus dem deutschen Sektor der Leitbilder sei lediglich Böcklin erwähnt, dessen allegorisch-symbolische Fabelwesen sich in den späten neunziger Jahren einer geradezu phantastisch anmutenden Beliebtheit erfreuten."

Kein Wunder, denn die meist mythologischen oder mythisierten Gestalten Böcklins sind nichts anderes als in die Malerei verirrte Patienten Professor Sigmund Freuds – und das Publikum hat sie als solche und als Emanationen seinesgleichen wiedererkannt. Böcklins Malerei ist die Übersetzung der sexuellen Zwangsneurose ins Allegorische. Wie der unterdrückte Wahn sich der Wirklichkeit verschließt, so haben diese ölfarbenen Figuren jede Beziehung zur Wirklichkeit abgebrochen, um dermaßen überdeutlich als Symbol pathologischer Triebstrukturen figurieren zu können.

Rolf Hochhuth, der Maigret der deutschen Literatur, durchschaut den Schwulst des ihm zum Gedicht-Thema gewordenen Gemäldes. Seine dichterische Interpretation legt – wie Fälschungen unter UV-Licht sich zu erkennen geben – die psycho-pathologische Intention des "Kunstwerkes" frei und zur Ansicht dar. Unter dem Schein Firnis der Kultur lag die Bestialität in Berelitschaft.