ARD, Robert-Siodmak-Reihe: "Mein Vater, der Schauspieler", 6. 5.; "Der Schut", 22. 5.; "Mein Schulfreund", 27.5.; "Der schwarze Spiegel", 18. 6.; "Onkel Harrys seltsame Affäre", 11. 7.; "Der rote Korsar", 24. 7.

Dafür ist man kein Auerhahn und kein Hirsch, sondern dafür ist man Herr der Schöpfung, daß man nicht nach dem Kalender fordert ist, halten zu Gnaden." Die Unabhängigkeit, die Hofmannsthal (und Strauss) den Ochs von Lerchenau im "Rosenkavalier" bejubeln lassen, ist ganz unkulturell und gilt nur für gewisse Naturtriebe. In unserem Kulturleben hingegen ist man streng nach dem Kalender forciert. Nach Datum wird gewürdigt und gedacht, gefeiert und geehrt.

So ist der zehnte Todestag von Robert Siodmak am 10. März für die ARD Anlaß, an einen Regisseur zu erinnern, in dessen Werk für uns noch immer Entdeckungen zu machen sind – allerdings nicht mit Hilfe der ARD.

Alles andere als unbekannt sind Siodmaks in Amerika entstandenen, exquisit inszenierten Geschichten dunkler Obsessionen, die mit ein bißchen Licht und viel Schatten vertraute Umgebung in bedrohliches Niemandsland verwandeln. Mit "Die Wendeltreppe" (1945) zeigte die ARD schon einen der schönsten Filme Siodmaks, einem Meister des "Film noir". Aus der gleichen Zeit folgen noch "Der schwarze Spiegel" (1946) und "Onkel Harrys seltsame Affäre" von 1945, eine deutsche Erstaufführung. Vielleicht waren es die Reminiszenzen seiner eigenen unglücklichen Kindheit in Dresden, die Siodmak immer wieder dazu trieben, den unter bürgerlichem Familienfrieden wild wuchernden Haß und seine mörderischen Auswirkungen abzubilden. Allerdings verhinderte bei "Onkel Harry" die Zensurbehörde das von Siodmak zuerst gedrehte "amoralische" Ende. Nur im folgenlosharmlosen Traum darf der von seinen Schwestern unterdrückte Familienmensch, von George Sanders brillant gespielt, seine Rache ausleben – ein Happy-End mußte Siodmak nachliefern.

Die Jahre in Amerika brachten Siodmak Ruhm und Geld, doch seine Karriere begann nicht erst hier und war hier auch noch nicht zu Ende. In Deutschland machte Siodmak 1930 gleich mit seinem ersten Film "Filmgeschichte". Heute liest sich der Vorspann zu "Menschen am Sonntag" wie der Auszug aus einer Prominentenliste des amerikanischen Kinos. Der Erfolg des halbdokumentarischen Films mit Laiendarstellern an Originalschauplätzen brachte Siodmak einen Vertrag als Regisseur bei der Ufa und Zusammenarbeit mit schon oder bald ganz großen Stars: Emil Jannings, Albert Bassermann, Hans Albers, Brigitte Horney, Heinz Rühmann. 1933 war das alles für den Juden Siodmak schon zu Ende, er verließ Deutschland. Die ARD hätte sich um diese Zeit; mit mancher Wiederentdeckung verdient machen können, vielleicht mit "Abschied" (1930, mit Brigitte Horney) oder "Brennendes Geheimnis" (1933) statt des gerade in fast allen dritten Programmen gezeigten Bassermann-Films "Voruntersuchung" (1931).

Die nächste Station für Siodmak hieß Frankreich. Schon ein halbes Jahr nach seiner letzten Berlin-Premiere hatte er einen neuen Film fertig. Die ARD zeigt leider keinen einzigen der neun französischen Filme. Immerhin wäre "Mollenard" von 1938, mit Eugen Schnüfftan hinter der Kamera, oder "Pièges" mit Erich von Stroheim, Maurice Chevalier und Pierre Renoir sicher des Ansehens wert gewesen – doch diese sieben Jahre in Siodmaks Leben kommen bei der ARD nicht vor.

Siodmak entzieht sich der leichten Einordnung, in fast jedem Genre hat er gearbeitet, hatte am meisten Angst vor dem Stillstand und übernahm vor allem gegen Ende seines Lebens lieber manch ungeeignetes Projekt als gar keines.