Das Öl wirkt weiter

Vor zwei Jahren starb das erste Opfer der Speiseölvergiftung, an der im Mai und Juni 1981 über 20 000 Spanier erkrankten. Bis heute sind 339 Tote zu beklagen; mehrere tausend Menschen befinden sich mit schweren psychischen und physischen Schäden immer noch in Behandlung. Für die Betroffenen stellt sich das Problem in doppelter Härte: Einerseits fühlen sie sich als schlecht heilbare Patienten von den Ärzten unzureichend betreut, andererseits sind finanzielle Entschädigungen auf absehbare Zeit nicht zu erwarten. Die angeklagten Ölhändler sind dank der schleppenden Prozeßführung noch nicht verurteilt. Die Opfer verlangen nun Geld vom Staat; der aber möchte die Verantwortung nicht übernehmen.

Sinowatz hat’s nicht so weit

Diesmal war’s das Telephon, nicht der Druckfehlerteufel. In der Eile der Fernsprech-Übermittlung des Beitrages über Österreichs künftigen Bundeskanzler Fred Sinowatz in der ZEIT vom 29. April, Seite 2, geriet manches einen Ton zu hart, eine Nummer zu groß. Der Wiener Bürgermeister heißt nicht Kratz, sondern Gratz. Die "Hans-Junke-Fabrik" ist schlicht eine Hanf-Jute-Fabrik. Und nur halb so lang ist des nächsten Kanzlers täglicher Dienstweg vom Burgenland zum Ballhausplatz: 41 statt der genannten 71 Kilometer. Pardon!

Wieder mehr Wunder

Wunder geschehen zwar selten, aber doch häufiger als gemeinhin angenommen. Pietro Kardinal Palazzini, der für Wunder und ihre Überprüfung Zuständige im Vatikan, hat jedenfalls seit geraumer Zeit alle Hände voll zu tun; er untersucht derzeit ein Dutzend Fälle wundersamer Heilungen. In einem Interview zog er nun daraus die Folgerung, daß sich "zweifellos wieder mehr Wunder ereignen". Der Kardinal freut sich natürlich über die "auf der ganzen Welt feststellbare Tendenz", zumal "selbst die kommunistisch beherrschten Staaten nicht abseits stehen". Doch, die Kommunisten erleichtern dem 71jährigen Monsignore seine ohnehin schwierige Aufgabe nicht: "In den Oststaaten gäbe es vermutlich mehr Wunder, wenn es nicht so schwierig wäre, sie nachzuprüfen. Die dortigen Ärzte haben nämlich jeweils Angst davor, ein Urteil abzugeben."

Glücklose Streiterin

Lady Olga Maitland, Vorsitzende des regierungstreuen Komitees "Frauen für die Verteidigung" in London, stieß mit einer von 13 000 Unterschriften gezeichneten Friedensbotschaft auf wenig Verständnis bei den Angehörigen der sowjetischen Botschaft. Die Diplomaten baten vielmehr die Polizei, den vor ihrer Tür deponierten "Müll" der Lady zu beseitigen. Die konservative Dame zog von der Botschaft des Gegners zur Verkündigung ihrer Ziele auf den Trafalgar Square. Ein Ja zur nuklearen Verteidigung bei gleichzeitigen Abrüstungsverhandlungen mit dem Osten, das forderten die streitbaren Frauen und prominente Gastredner, allerdings vor nur etwa 150 Zuhörern, darunter zahlreiche Touristen. Mehrere Preßlufthämmer übertönten die Kundgebung. Lady Olga glaubte nicht an zufällige Straßenbauarbeiten, sondern an ein Machwerk des linken Londoner Bürgermeisters: "Die hat Ken Livingstone geschickt, aber unsere Stimme wird gehört werden."