Oberhausen

Sie jobben als Taxifahrer, arbeiten als Sekretärinnen, lassen sich zum Tischler umschulen oder machen sich, beispielsweise als Buchhändler, selbständig. Nur als das, wozu sie in langjährigem Studium ausgebildet wurden, arbeiten sie nicht: als Lehrer. Rund 30 000 Pädagogen sind derzeit arbeitslos. Bis 1990, verkündete jüngst die Gewerkschaftszeitung Erziehung und Wissenschaft, sei mit 120 000 stellungslosen Lehrern zu rechnen.

Weil sie nicht länger warten mochten, bis auf politischer Ebene etwas Grundlegendes zur Lösung dieses Problems unternommen wird, gründeten 25 Lehrer am Bertha-von-Suttner-Gymnasium in Oberhausen den als gemeinnützig anerkannten Verein "Solidarität unter Lehrern".

Vereinszweck ist, "schulische Bildung und pädagogische Förderung am Bertha-von-Suttner-Gymnasium (Oberhausen) zu unterstützen". Dazu sollen "arbeitslose Lehrer in Arbeitskreisen Unterricht anbieten bzw. auf andere Art bei der pädagogischen Arbeit im Gymnasium mitwirken". Bezahlt werden die stellungslosen Kollegen aus der Vereinskasse – nur zu diesem Zweck dürfen die Einnahmen verwendet werden.

Die 25 Gymnasiallehrer zweigen ein Prozent ihres Bruttoeinkommens als Vereinsbeitrag ab. So kommen derzeit rund 1400 Mark monatlich zusammen. Entlohnt werden davon vier arbeitslose Junglehrer, die jeweils an Nachmittagen vier Stunden pro Woche Förderunterricht für leistungsschwache Schüler geben. Regulären Unterricht dürfen die vier nicht erteilen, denn Arbeitgeber ist nicht der Staat, sondern der Verein. Vereinsvorsitzender Norbert Rodenbach findet das absurd: "So müssen die Kollegen nachmittags den Stoff nachholen, der vormittags ausfällt." Denn trotz hoher Lehrerarbeitslosigkeit herrscht, wie an anderen Schulen, auch am Bertha-von-Suttner-Gymnasium Lehrermangel. Die Schulleiterin unterstützt das Experiment und stellt für den Förderunterricht Schulräume zur Verfügung.

Natürlich, räumt Rodenbach ein, können die vier vom Verein angestellten von den 350 Mark, die jeder erhält, nicht leben. Aber ein spürbarer Zuschuß zur spärlichen Arbeitslosenhilfe sei es allemal. Wichtig sei jedoch, so Rodenbach, "daß sie die Möglichkeit haben, nach dieser langen Ausbildung wenigstens teilweise in ihrem Beruf tätig zu sein."

Beatrix Rennwanz, eine der vier Betroffenen, bestätigt: "Ich freue mich jedesmal auf die vier Stunden Unterricht pro Woche." Sie unterrichtet Englisch und Französisch und hat nun nicht mehr das Gefühl, "für gar nichts nütze zu sein".