"Sehr, sehr verblüffend", wie Klaus Homann findet, ist etwas ganz anderes: die Wirkung der Inserate. "Hier kommt plötzlich etwas in Gang." Mit dem Rückgang der Reallöhne in den letzten Jahren, erklärt Homann, sei ein Bedürfnis nach Geschäften anderer Art entstanden. Durch kleine private Transaktionen suche ein jeder die Krise zu lindern; die "Zweite Hand" nun reicht die Wünsche weiter, begreift Kommunikation als Fluidum der Not.

Zum Beispiel? "Einen ganz begeisterten Anruf" hat Homann von "der Blumenfreundin aus der Vorstadt" erhalten, die, in ihrer Blütenfülle versinkend, in der "Zweiten Hand" nach Blumenfreunden ohne Blumen gefragt hatte. Zwei Ehepaare seien dem Ruf spontan gefolgt, und Homann hörte mit Freude, die Leute seien am frühen Nachmittag gekommen und erst nach Mitternacht wieder gegangen – "weil man sich soviel zu erzählen hatte".

Den "kometenhaften Erfolg" seines Projektes, der sich für ihn allerdings "noch nicht üppig" auszahle, führt Homann auf eben diese Kombination aus Tausch und Tratsch zurück.

Die "Zweite Hand" wird nicht nur in der Szene dankbar ergriffen. "Da kommen Leute aus verschiedenen Lebensbereichen in Berührung", hat Homann bemerkt, "die Oma" beispielsweise mit "den Studenten". Und die feilgebotenen Möbel seien keinesfalls, wie bei anderen Blättern "achtzig Prozent Ikea", sondern zum Großteil "Nußbaum-Schrankwand", was auf kleinbürgerliche Verhältnisse schließen lasse.

Bei aller Freude verschweigt der Blattmacher Schwierigkeiten nicht. "Da wollen Leute Möbel kaufen und kommen dann nicht. Und die Verkäufer rufen bei uns an und beschweren sich. Wir sagen dann immer: Schreibt euch doch die Telephonnummer von den Leuten auf, dann könnt ihr zurückrufen!" Aber das sind nur Kinderkrankheiten der neuen, kommunikativen Ökonomie.

Ulrich Stock