Peter Boenischlöst Diether Stolze als Sprecher der Regierung ab

Von Nina Grunenberg

Bonn, im Mai

In einer Stadt, in der so viele darauf versessen

sind, in der Sonne der Mächtigen zu stehen, muß es unbegreiflich scheinen, wenn einer freiwillig den Schatten sucht. Die Nachricht von Diether Stolzes Rücktritt aus dem Amt des Regierungssprechers wurde mit kühlem Unverständnis aufgenommen. Da sich weder von einer glatten Niederlage Stolzes reden ließ noch von einem Zerwürfnis mit Bundeskanzler Helmut einer wurde die Neuigkeit für den Bonner Hausgebrauch erst handlich, als ihr der Hinweis auf die "gesundheitlichen Gründe" hinzugefügt worden war. Wer Beamter auf Lebenszeit ist und dennoch schon nach sieben Monaten aus eigenem Entschluß verzichtet, so daß damit auch alle Ansprüche an den Dienstherren erlöschen, der kann in der Bundeshauptstadt offenbar nur krank sein. Hatten hier nicht gerade eben zwei Staatssekretäre ein politisches Problem konstruiert, um gekündigt zu werden und mit allen finanziellen Privilegien in den Ruhestand zu treten, anstatt selber den Abschied zu nehmen und damit auf vieles zu verzichten?

Auf eine Idee kam bisher noch niemand. Vielleicht ist sie zu abenteuerlich für Bonner Köpfe, ein Hauch von Frivolität ist ihr sicher nicht abzusprechen: die Idee nämlich, Diether Stolze für einen unabhängigen Kopf zu halten, der sich seine Risikobereitschaft etwas kosten läßt und der am Ende nur tut, was ihm Spaß macht.

Seine alten Kollegen in der ZEIT können bezeugen, daß er so ist. Nicht im Traum hat er je daran gedacht, eine Karriere als "Fußmatte der Nation" (Kurt Becker, Helmut Schmidts Pressesprecher, über seine Arbeit) für erstrebenswert zu halten. Als er Ende September vergangenen Jahres in der ZEIT seinen Schreibtisch aufräumte, wußte jeder, worauf er sich freute: Er wollte in Ascona in der Sonne sitzen und Spaghetti essen. Diese Vorstellung umfaßte seinen Begriff von Lebensqualität. Vor allem wollte er aber auch eine Pause einlegen, um in Ruhe über zwanzig schnelle Journalistenjahre nachdenken zu können. Konkrete Pläne hatte er noch nicht. Wirtschaftlich war er längst unabhängig.