/ Von Cornelie Sonntag

Wenn die Mami in der Badewanne liegt, hält sie manchmal ganz ganz still und hofft, daß ich ihr gerade jetzt einen Tritt gebe, und dann strampele ich ein bißchen, um ihr den Gefallen zu tun, und sie runzelt die Stirn und sagt: "Na, na, du kleiner Racker, mach keine solchen Wellen!"

Das ist eine Passage aus den Notizen eines Embryos über sein neunmonatiges Mietverhältnis im Mutterleib. Seit der Däne Willy Breinholst sie vor einigen Jahren ersann und mit Zeichnungen versehen als Taschenbuch veröffentlichte, steht sein Name auf den Bestsellerlisten von Zeitschriften und Buchgemeinschaften.

Geschrieben hatte er schon lange zuvor, auch Erfolge verbucht mit Kurzgeschichten und humoristischen Anekdotenbändchen. Aber das Schwangerschaftstagebuch aus dem Blickwinkel des Babys, inzwischen Geschenkknüller für werdende Eltern, machte Breinholst auch mit den anderen seiner illustrierten Paperbacks wie "Guck mal, Mami! Guck mal, Papi!" oder "Hallo Mama – Hallo Papa" und "Die Kunst, jung zu bleiben" zum Dauerlieferanten von Verkaufshits. Das gilt bis heute.

Verleger, Lektoren und Buchhändler nehmen das Phänomen zur Kenntnis. Viel mehr aber geschieht nicht. Mögen die Konsaliks, Danellas und Simmels Stoff für gesellschaftspolitische Analysen des gekonnten Marketings von Trivialliteratur bieten – Breinholst ist als Autor schlicht da und liefert prompt, wie eine Firma mit permanent positiver Bilanz, über die man kaum Worte verliert.

Seine Bändchen sind rasch konsumierbare Unterhaltungsware. Man kann sie sogar an Kiosken und in Zeitungsabteilungen der Tante-Emma-Läden erstehen. Er erzählt harmlose Geschichten aus dem Ehe-, Eltern- und Kinderalltag. Davon hat er inzwischen 96 (jawohl, sechsundneunzig!) verfaßt. Daß man wenig von ihm weiß, liegt auch an seiner Scheu vor Interviews. Mit ihm ein Gespräch zu vereinbaren, kostete wochenlange Bemühungen.