Intercamping nennen sich die Zelt- und Caravanplätze in der DDR, die auch Reisenden aus dem Westen offenstehen. Sie bieten besonders engen Kontakt zu den Landsleuten aus dem anderen deutschen Staat.

Die Nachbarn klopften öfters mit den Frühstücksbrötchen, wir konnten uns mit herzhafter Thüringer Wurst revanchieren. Auf dem Intercampingplatz probiert man ein Stück Alltag der DDR. Wann und wo gibt es was? Würziges Brot, Fleisch, Eier, Obst oder Flaschenbier für heiße Sommertage. Natürlich kommt man zurecht, übt sich ein wenig in den hier längst gewohnten Regeln der Planwirtschaft.

Campingreisen in die DDR kann man per Zelt, Caravan oder Wohnmobil unternehmen. Zur Zeit werden Besuchern aus dem Westen 23 sogenannte Intercampingplätze angeboten. Sie sind übers Land verteilt, mit Schwerpunkten im Thüringer Wald, Harz, in der Region um Schwerin und Rostock. Angesichts mangelnder Hotelkapazität wären manche Rundfahrten, wie etwa zwischen Stendal und den Mecklenburger Seen, wegen großer Entfernungen (und amtlicher Aufenthaltsrestriktionen) ohne einen der Campingplätze als Standquartier kaum möglich. Mit dem eigenen Dach ist man zudem recht preiswert unterwegs. Bei mehreren Personen liegen die Platzkosten pro Tag unter der Zwangsmarke des Mindestumtauschs von 25 Mark (Kurs 1:1) pro Person und Tag (Kinder bis 6 Jahre frei, bis 15 Jahre 7,50 Mark). So bleibt noch ein Rest für den täglichen Bedarf, Benzin und ähnliches. Während bei Umbuchungen bestellter Hotels der vorausbezahlte Gutschein verfällt, konnten wir die bereits gebuchten Campingplatztermine problemlos nach unseren Wünschen verändern. Eine Mischbuchung von Hotels und Campingplätzen macht ebenfalls keine Schwierigkeiten.

Vor die Einreise haben die DDR-Behörden jedoch ihr strenges bürokratisches Ritual gesetzt: Vorausbuchung der Unterkunft (möglichst sechs Wochen vor Reisebeginn) und Antrag auf einen Einreise-Berechtigungsschein. Das Einreisevisum erhält man erst beim Grenzübertritt. Vor Ort gibt es dann die Aufenthaltsberechtigung und zuletzt das Ausreisevisum. Beides wird vom zuständigen Volkspolizei-Kreisamt erteilt. Als Camper muß man sich das alles selber in der zuständigen Kreisstadt besorgen. Die Aufenthaltsberechtigung entscheidet zugleich über das Rundfahrtprogramm. Anspruch hat man nur für den jeweiligen Bezirk. Sind Campingplätze jedoch in verschiedenen Bezirken gebucht, wird diese Genehmigung allgemein für die ganze DDR erteilt. Man sollte bei der Anmeldung darauf achten, damit Besichtigungspläne nicht am amtlichen Nein scheitern.

Nach unseren Erfahrungen werden die Bestimmungen in den Bezirken gelegentlich unterschiedlich interpretiert. Ein besonderes Beispiel war da die Bezirkshauptstadt Magdeburg. Hier gab es nur die Besichtigung für den Bezirk, obwohl wir neben dem dortigen Interhotel auch noch Campingplätze in anderen Bezirken gebucht hatten. Der Hinweis auf unsere Besichtigungspläne und die großzügigere Handhabung in anderen DDR-Bezirken blieb auf die eherne Volkspolizistin ohne Eindruck. Ihr Kommentar: Da haben die anderen Kollegen einen Fehler gemacht. Am nächsten Reiseziel erhielten wir dann jedoch freie Fahrt auch für die übrigen Bezirke.

Viele der Intercampings sind reizvoll gelegen, bieten öfters sogar das eigene Bad im Becken, See oder Teich. Der (sanitäre) Komfort entspricht allgemein nur durchschnittlichen Ansprüchen. Bundesdeutsche Gäste finden zumeist ihr eigenes abgegrenztes Revier. Das behindert jedoch kaum die spontanen Gespräche über die deutsch-deutsche Trennungslinie hinweg. So wird die touristische Entdeckung der DDR trotz aller bürokratischen Hemmnisse zugleich auch zu einer Begegnung mit ihren Menschen und den von der Teilung geprägten Stätten gemeinsamer Geschichte.

Robert P. Hertwig