Hörenswert

Johannes Brahms: "Lieder" Eine von vielen Neuveröffentlichungen im Jubiläumsjahr, zweifellos, achtzehn Lieder aus den verschiedensten Perioden. Aber die Platte läßt aufhorchen durch eine neue "Dramatik". Ein wenig waren wir seit Jahren fixiert durch Interpretationen, die vorwiegend textgestützt waren, die sich mehr verstanden als Wort-Verkünder, die gewissermaßen Tongemälde lieferten auf der Grundlage der Sinngehalte der Dichtung. Nicht daß dies hier ganz aufgegeben wäre. Aber vielleicht in der Nachfolge einer Christa Ludwig sind hier von Brigitte Fassbaender die melodischen Linien und deren Ausdruckskraft, die musikalischen Formen und ihre Logik, die emotionalen Gehalte von Intervallen und Rhythmen neu überdacht und nachempfunden worden, wird den Liedern ein bißchen die musikalische Autonomie zurückgegeben. Dies nicht zuletzt durch eine Stimme, die sich gewissermaßen am Belcanto geschult zu haben scheint, um nun aufzublühen aus Zartheit und Verletzlichkeit zu ganz großem Ton und warmer Farbe, die vor allem auch die Register-Übergänge geschickt auffängt und mit Klängen spielt. Ein kleiner Mangel: das begleitende Klavier klingt ein bißchen flach und arm an Emotionen, und das Plattenrillen-Rauschen ist höher, als der Standard es heute noch zulassen sollte. (Brigitte Fassbaender, Mezzosopran/Thomas Riebl, Viola/Irwin Gage, Klavier; Acanta/FonoTeam 40.23.507, auch über CBS mit gleicher Nummer). Heinz Josef Herbort

Ack van Rooyen: "Homeward". Einen Flügelhornisten mit einem so schmiegsamen, weichen, niemals zerlaufenden Ton gibt es wohl keinen zweiten. Und es gibt nicht viele, die wie Ack van Rooyen so sicher spielen, so verläßlich und so musikantisch – man müßte sich wundern, wenn Orchester sich nicht um ihn rissen. Für diese Schallplatte hat der Trompeter sechs durch die Bank Ebenbürtige um sich versammelt, zu einem schwungvollen, die Talente genügend herausfordernden Konzert. Nein, man wird durch nichts irgendwie Avantgardistisches erschreckt, man wird bloß phantasievoll unterhalten, mit originellen und schönen Klängen, mit soliden Soli, mit frischen Arrangements. Könner sind am Werk, Jazzmusiker jedenfalls, die sich etwas von der alten, intellektuellen unbeschädigten Spielfreude der Alten bewahrt haben. Vielleicht meint der Titel dieser Schallplatte das damit: heimwärts. (Mood Records 28 633; über Zweitausendeins, 6 Frankfurt am Main). Manfred Sack