Um 13 Uhr 55 verschwindet die Sonne, und dann übernimmt wirklich die Natur die Regie. Ganz schnell zieht sie den Himmel zu einem Stahlblau zusammen. Es tröpfelt, zaghaft zuerst. Zehn Minuten später dann entschiedener. Das erste Mai-Gewitter grantelt los, macht die träge Menge zu Rennenden. Schirme springen auf, Hüte, Taschen, Tüten verstecken die Köpfe. Das Schindeldach vom Bayerwaldhaus kann die Schutzsuchenden kaum fassen. Ungarn, Schweden, Holland, alles voll. Den verblühenden Narzissen fegt eine Boe die Blütenköpfe weg, hinaus auf die gekräuselte Wasserfläche. Menschenleer die ganze Kunstlandschaft.

Im weißen Zelt des "Forums" haben eigentlich nur 1200 Zuschauer Platz, und die Vorstellung des Männerchors "Isobe Toshi" aus Tokio hat auch schon begonnen. Alle 28 Sänger tragen schwarze Fliege zum weißen Dinnerjacket. Die Dolmetscherin kündigt eine Programmänderung an, es folgt "Der Mond über der Ruine". Der Mond geht auf, aber von hinten drängen immer mehr Nasse in den schmalen Gang zwischen den Tribünen. Ein IGA-Ordner kennt seine Vorschriften: "Haltet’s bloß den Fluchtweg frei!"

Ein Mann will hinaus, fuchtelt mit den Armen den Hereinströmenden entgegen. Draußen holt er tief Luft. Der Regen hat nachgelassen. "Nein", sagt er, "war des greislich."