Der japanische Kamerahersteller Canon hilft der notleidenden Fußball-Liga auf die Beine

Drei Millionen Pfund Sterling war der Handschlag wert, den der britische Fußball-Präsident und der japanische Kamera-Manager austauschten. Jack Dunnett von der Football League und Yukio Yamashita von der japanischen Kamera-Firma Canon besiegelten damit das größte Sponsor-Geschäft im britischen Sport. Es soll dem darniederliegenden Fußball auf die Beine helfen und zugleich die Expansion der Japaner auf dem britischen Markt beflügeln.

Für Martin Walter, den für Public Relations verantwortlichen Mann bei Canon, hat der Drei-Jahres-Vertrag, der in Kürze auch formell unterzeichnet werden soll, einen großen Vorteil. "Wir können unsere Kampagne über einen langen Zeitraum planen und erstrecken." Ein guter Feldzug, so erläutert er, sei nur gut, wenn er sich kontinuierlich über längere Zeit hinziehe. Die Publizität, die sich Canon für eine Million Pfund pro Jahr erkauft, soll sich einfügen in die übrigen Formen von Werbung und Verkaufsförderung, für die das Unternehmen rund sechs Millionen Pfund jährlich aufwendet, um ihre Kameras, Kopiermaschinen, Computer und Schreibmaschinen an den Mann zu bringen.

Die Liga mit ihren 92 Vereinen in vier nationalen Klassen wird von Canon sozusagen "übernommen". Sie wird in Zukunft "Canon-Liga" heißen, und diese Bezeichnung wird, so hoffen jedenfalls die Japaner, in allen Mitteilungen erscheinen, Programmhefte schmücken und in Sportberichten auftauchen. In den Stadien erhält Canon Raum für Transparente und Plakate. Die Vereine machen Räumlichkeiten verfügbar, um Canon-Produkte auszustellen. In erster Linie aber, so Walter, soll die Aktion auf den Namen und das Image des Unternehmens bezogen sein.

Die Geldzufuhr wird in verschiedenen Formen und Dosen verabfolgt. Zunächst wurde rund eine halbe Million Pfund pro Jahr nach einem bestimmten Schlüssel direkt an die Vereine verteilt. In der obersten Klasse erhält jeder Club 10 000 Pfund, in den folgenden 6000, 4000 und 2000 Pfund.

Als zweites gibt es einen finanziellen Anreiz, um die Saison in der Tabelle möglichst weit oben zu beenden. Vereine, die einen der ersten drei Plätze einnehmen, erhalten zum Abschluß einen Canon-Scheck. Dem Canon-Liga-Meister winken 50 000 Pfund, eine Summe, die jeder Kassenwart gern entgegennimmt. Offensives Spiel mit aufregenden Torszenen und vielen Toren wird angeregt, indem Geldprämien an die Vereine gezahlt werden, die in einem Monat oder in der ganzen Saison die meisten Tore erzielt haben. Canon-Geld wird aber nicht nur für erfolgreiches Balltreten gegeben. Wer sich etwas einfallen läßt, um speziell Familien zum Besuch der Spiele zu bewegen, erhält ebenfalls Zuschüsse aus dem Canon-Topf. Die Vereinigung der 92 Spitzen-Clubs ist von dem Geschäft "außerordentlich angetan", wie ein Sprecher erklärt, denn "unser nationaler Sport ist in ernsten finanziellen Schwierigkeiten und hat eine Geldspritze bitter nötig".

Fußball mag zwar immer noch ein Massensport sein, aber in den Stadien zeigt sich das immer weniger. Die Ränge lichten sich. Nur noch 20 Millionen Besucher kamen in der letzten Saison zu den über 2000 Spielen, ein Niedergang um acht Prozent, der sich in der nun zu Ende gehenden Spielzeit fast in diesem Ausmaß fortgesetzt hat. Andere Attraktionen lenken ab, die Raufereien der in ganz Europa gefürchteten britischen Fußball-Rowdies schrecken, und daß England wiederum nicht Weltmeister geworden ist, tut dem Verkauf von Eintrittskarten auch nicht gut.