Kommt Hochmut vor dem Fall, zählt Herz mehr als Hirn? Der Niedergang Kurt Biedenkopfs lädt ein zum Glauben an die Gültigkeit von Binsenweisheiten in der Politik. Aber beim Aufzählen der Schwächen und Fehler des forschen Professors sollte gleichwohl nicht übersehen werden: Mit seiner Niederlage im Kampf um die Führung der nordrhein-westfälischen CDU wurde die politische Landschaft der Bundesrepublik wieder ein bißchen mehr planiert, hat die Parteientopographie einen weiteren Blickfang eingebüßt.

Überflieger haben derzeit keine Konjunktur im politischen Geschäft. Der Sieger Bernhard Worms entspricht da eher dem Trend der Stunde. Zumal die Union weiß nach Helmut Kohls Triumph, was sie an volkstümlichen, erdverbundenen Kandidaten hat, die sich auch ihres Dialekts nicht schämen.

Der Rheinländer entschied die erste Runde im Kampf um die Macht an Rhein und Ruhr für sich. Die zweite, bei der Landtagswahl im übernächsten Jahr, wird schwerer werden. Dann steht statt eines Paradiesvogels ein Profi in der gegnerischen Ecke. Und im Schulterklopfen schlägt Johannes Rau den Konkurrenten Worms noch allemal.

D.B.