Der Libyer Bashir Elmida, der am vergangenen Wochenende im Tausch gegen vier deutsche Staatsbürger in sein Heimatland abgeschoben wurde, ist ein rechtskräftig verurteilter Mörder: Er hatte vor genau drei Jahren einen libyschen Ex-Diplomaten in Bonn auf offener Straße erschossen. Dafür erwartet ihn zu Hause öffentliche Anerkennung. Denn seine Tat war nur die Ausführung einer von Tripolis erteilten Tötungsorder.

Dem Auswärtigen Amt ist gleichwohl kaum ein Vorwurf zu machen, daß es den Tausch betrieb: Die vier Deutschen, Strafhäftlinge Ghaddafis und auch nach unseren Rechtsbegriffen nicht schuldlos, schwebten unter den grausamen Bedingungen des libyschen Strafvollzuges in Lebensgefahr. Hätte man sie umkommen lassen sollen, nur um einen Mörder hinter Gittern zu behalten?

Andererseits gerät ein Rechtsstaat, der sich einmal mit einem Terroristen im Staatsrang auf derlei Geschäfte einläßt, rasch an die Grenzen seines Handlungsspielraums: Die libyschen Behörden halten seit April weitere acht Deutsche als Geiseln gefangen, mit denen sie zwei ihrer Landsleute freipressen wollen, die sich derzeit vor einem deutschen Gericht wegen des Vorwurfs verantworten müssen, einen Ghaddafi-Gegner in der libyschen Botschaft in Bonn gefoltert zu haben. Wenn wir uns auch auf diesen Tausch einlassen, wo bleibt dann noch der Unterschied zwischen dem Wüsten-Oberst und der RAF? Baader-Meinhof im Burnus? H. Sch.