Solingen

Zum Freundschaftspreis von 1000 Mark wechselte der Wipperkotten am Wupperufer bei Solingen 1954 den Besitzer. Der Wupperverband, dem alle privaten und öffentlichen Anrainer des Flusses im Beimischen Land angehören und auch die auf Heimatpflege bedachte Solinger Stadtverwaltung waren froh, in dem Designer Karl Rodenkirchen einen Käufer gefunden zu haben, der den mehr als 400 Jahre alten Schleifereibetrieb inzwischen liebevoll restauriert hat. Heute, fast 30 Jahre nach der Rettung des Gebäudes, ist von Freundschaft keine Rede mehr.

Seit Jahren liegt man im Streit, den demnächst das Oberverwaltungsgericht Münster zu entscheiden hat. Anlaß ist das Wasserrad, das aus dem mächtigen Fachwerk-Doppelhaus seit altersher einen Kotten machte und heute industriegeschichtliches Monument des Museums Wipperkotten ist.

Als Rodenkirchen den Kotten erwarb, war das fast drei Meter hohe Wasserrad ebenso verfallen wie andere Teile des Anwesens. Vertreter des Wupperverbandes versprachen damals, binnen drei Jahren sei das industriell verseuchte Wupper-Wasser wieder sauber, binnen fünf Jahren werden wieder Fische vor den Fenstern des Kottens durch die Fluten schwimmen: "Dann haben Sie hier ein Paradies." Doch die Wupper blieb bekanntlich schmutzig, an nicht wenigen Tagen stinkt das Wasser zum Himmel.

Mit anderen Anliegern gründete Rodenkirchen die "Notgemeinschaft Abwassergeschädigter der unteren Wupper und der Bergischen Bäche": 1500 Mitglieder hat die Bürgerinitiative mittlerweile, mit ihrem Vorsitzenden Rodenkirchen macht sie dem Wupperverband und anderen Wasserbehörden das Leben schwer. Ende 1976 mußte der Wipperkottenbesitzer, dem für seine Verdienste um den Kotten inzwischen die Rheinlandmedaille und für sein Eintreten für eine saubere Wupper die Deutsche Umweltschutz-Medaille verliehen worden waren, selber Mitglied im Wupperverband werden. Seit vier Jahren kämpft Rodenkirchen gegen die Abforderung des Mitgliedsbeitrages: 5600 Mark sind es inzwischen. Nach Satzung des Verbandes muß jeder, der Wasserrechte hat und ein "Triebwerk" mit Wupperwasser am Laufen hält, Beiträge entrichten. Doch Rodenkirchens Wasserrad dreht sich nicht zu gewerblichen Zwecken. Er öffnet die Schleuse für den Wasserlauf nur, um Besuchern des Museums vorzuführen, wie früher mit Wasserkraft die mächtigen Schleifsteine in Bewegung gesetzt wurden. Mehr als 10 000 Besucher kommen jährlich.

Soll der lästige Umweltschützer gestutzt werden? Solchen Argsinn bestreitet der Verband natürlich aufs schärfste. Gegen die jüngste Zwangsvollstreckung hat Rodenkirchen mit Erfolg Widerspruch eingelegt. Wenn er aber den Prozeß verliert? "Dann lade ich den Landeskonservator ein, nehme eine Axt und hau’ das Rad in Stücke.

Klaus Schuster