Von Gerhard Spörl

Auch Zwerge haben klein angefangen. Warum sollten die jugendbewegten Grünen, die sich, vorsichtig und beklommen, erst einmal in den hohen Häusern der Politik umsehen müssen, jetzt schon präzise wissen, wie man mit all unseren Epochen-Problemen fertig wird? Joschka Fischer – einer der wenigen Parlaments-Newcomer mit Sinn für Ironie und Hang dazu, sich selber nicht angestrengt ernst zu nehmen – führt darüber beredte Klage: Die Grünen, so gibt er freimütig zu, "sind noch völlig unfertig, offen bis zur Hilflosigkeit und gestaltbar bis zum Scheitern"; ihnen fehle es alleine am Mut, die eigene Ratlosigkeit zu bekennen.

Wer legt schon gerne sein Herz auf den Tisch so hungriger Leut’? Da sind die Konservativen, die biedermännisch aggressiv zu wissen begehren: Was wollen die Grünen? Da sind die Altlinken von 1968, welche die nur widerwillig akzeptierten Erben von heute beiläufig wissen lassen, was diese wollen sollen.

Wolfgang Kraushaar, Politologe in Frankfurt, hat einen Band zusammengestellt, in dem derlei Anmahnungen versammelt sind:

Wolfgang Kraushaar (Hrsg.): "Was sollen die Grünen im Parlament?", Verlag Neue Kritik, Frankfurt 1983; 156 S., DM 15,-

Die Beiträge wurden meist von skeptischen Sympathisanten (wie Josef Huber und Claus Offe) verfaßt, aber auch einige Grüne (Thomas Ebermann, Joschka Fischer) kommen zu Wort Der schulrätliche Gestus überwiegt. Kraushaar selber gibt ihn vor: Nun hätten die Grünen erst einmal genügend Wahlen gewonnen; nun müsse aber gründlich nachgedacht werden.

Joschka Fischer stellt die Verbindung zwischen Studentenbewegung und neuer Protestgeneration her. Seit 1968 haben die Themen gewechselt, und die Grünen haben sich darauf eingelassen, die Begriffe den neuen Umständen anzupassen: Die Alternativen heißen heute nicht länger Reform oder Revolution, sondern Reform ‚oder Ausstieg aus der Industriegesellschaft; nicht Sozialismus oder Barbarei, aber Ökologie oder Apokalypse; statt der Rätedemokratie steht die Basisdemokratie auf der Tagesordnung der Geschichte und nicht das Eigentum, wohl aber das Überleben der Menschheit ist die Frage aller Fragen.