Bürgermeister Klaus von Dohnanyi will den Stromversorger der Hansestadt auf seine Linie zwingen

Von Heinz Blüthmann und Kurt Wendt

Es hat bereits viele Opfer gekostet – lange vor dem ersten Spatenstich. Und deshalb ist sein Name auch im letzten Winkel der Bundesrepublik berüchtigt: das Kernkraftwerk Brokdorf in Schleswig-Holstein an der Unterelbe. Demonstranten und Polizisten kostete es Schäden an der Gesundheit, die Auftraggeber jede Menge Ärger und vertanes Geld und zumindest einen prominenten Politiker Job und Karriere: Hamburgs ehemaligen Bürgermeister Hans-Ulrich Klose. Doch das unrühmliche Schicksal seines Vorgängers hinderte – nach über einem Jahr Ruhe an der Front – den Klose-Nachfolger Klaus von Dohnanyi nun nicht daran, den Krieg um Brokdorf von neuem zu beginnen.

Genau wie Klose fordert von Dohnanyi: Die Hamburgischen Electricitäts-Werke (HEW) sollen aus dem Kernkraftprojekt Brokdorf aussteigen, das die HEW bei einem Beteiligungsverhältnis von fünfzig zu fünfzig gemeinsam mit den Nordwestdeutschen Kraftwerken (NWK) derzeit bauen läßt. Der Hamburger Stadtstaat hält mit 72,8 Prozent die Mehrheit bei HEW.

Daß es nun wieder losgeht, ist wie damals 1980 vor allem dem starken Druck des linken Parteiflügels in der Hamburger SPD zu verdanken. Wesentlicher Unterschied: Klose nutzte diesen Druck für seine eigene Überzeugung – von Dohnanyi ist ihm ausgesetzt, wenn nicht ausgeliefert.

Doch zumindest darin klüger als sein Vorgänger, hat der Bürgermeister es bisher strikt vermieden, sein politisches Schicksal mit dem Ausgang des Brokdorf-Kampfes zu verbinden. Elastisch formuliert er, daß das Energiekonzept seines Senats keine "generelle Stellungnahme gegen die Kernenergie" enthalte. Und er betont, daß es nicht um einen "energiepolitischen Glaubenskrieg" gehe, sondern schlicht um die Sache, also genug sichere Energie bis zum Jahr 2000 für die Hansestadt.

Geschickter als Klose hantiert von Dohnanyi auch mit seinen Argumenten: Er appelliert an die Angst – und an den Erwerbssinn der Hamburger. Die ungefährliche Entsorgung von Kernkraftwerken erklärt er – im Gegensatz zum HEW-Management – für technisch noch keineswegs gelöst. Um Anfang der neunziger Jahre dennoch genügend Energie zur Verfügung zu haben, propagiert der Bürgermeister ein Kohlekraftwerk, das mit einer Leistung von 600 Megawatt etwa den 50prozentigen HEW-Lieferanteil aus Brokdorf (645 Megawatt) ersetzen kann.