Gespräche am Bankschalter

Seit Beginn dieses Jahres hat das Interesse an Optionsscheinen lebhaft zugenommen. Die Unternehmen machen sich die Spekulationsneigung der Käufer durch neue Optionsanleihen zunutze.

In der vergangenen Woche setzte bei den Optionsschein-Spekulanten das große Fracksausen ein, wie es in der Börsensprache heißt Das Spekulationsfieber hatte hier die Kurse in unverantwortliche Höhen schnellen lassen. Jetzt schlägt die Stunde der Wahrheit. Das kostet viel Geld.

Der Optionsschein der neuen Optionsanleihe der Deutschen Bank wurde "per Erscheinen" in großen Beträgen zu Preisen bis 210 Mark gehandelt. Per Erscheinen heißt, daß die Stücke noch nicht vorhanden waren. Denn die Zuteilung der Anleihe an die Zeichner stand noch aus. Innerhalb weniger Tage sank der Optionsschein dann bis 135 Mark, konnte sich später aber wieder bis auf etwa 160 Mark erholen. Ob er aber jemals wieder auf 210 Mark steigen wird, steht in den Sternen.

Denn was bedeutet ein Kurs von 210 Mark? Der Käufer des Optionsscheines sichert sich das Recht, bis zum Jahre 1991 eine Aktie der Deutschen Bank im Nennwert von 50 Mark zum Preis von 335 Mark erwerben zu können. Oder anders ausgedrückt, meine verehrten Leser, der Kauf ergibt nur einen Sinn, falls der Börsenkurs der Deutschen Bank-Aktie über 545 Mark hinaus steigt (gegenwärtiger Börsenkurs: 330 Mark), Erst dann lohnt es sich, sie über den Optionsschon zu kaufen.

Über diese Konsequenzen sind sich viele Optionsschein-Spekulanten nicht im klaren. Sie denken auch nicht unbedingt an die Ausübung des Optionsrechtes, sondern sehen im Optionsschein lediglich ein Vehikel zum Verdienen der neuerdings oftmals zitierten "raschen Mark". Die Schwankungen, denen die Optionsscheine in letzter Zeit unterworfen waren, vor allem natürlich ihre Aufwärtssprünge, haben sie zu den beliebtesten Spekulationspapieren in den deutschen Börsensälen gemacht.

Dieses wiederum veranlaßte eine Reihe von Unternehmen, neue Optionsanleihen aufzulegen. Sie bedienen sich dabei eines Finanzierungsiastruments, von dem in der Bundesrepublik bisher nur recht sparsam Gebrauch gemacht worden ist. Nachfrage nach Optionsanleihen besteht eigentlich nur in Zeiten einer Aktien-Hausse, nämlich dann, wenn es berechtigte Aussichten auf einen dauerhaften Kursaufschwung gibt. Das war an der deutschen Börse jahrelang nicht der Fall und hat sich erst mit dem Amtsantritt der Regierung Kohl/Genscher geändert.