Dem Eifer unserer Vorfahren ist es zu verdanken: Zum Wechsel unseres Jahrzehnts ballen sich die Jubelfeste. Mehrere Staaten wollen sie mit touristen- und devisenträchtigen Weltausstellungen begehen. Jetzt gibt es Terminprobleme.

Gut, daß wenigstens den Australiern die finanzielle Puste ausging", stöhnte ein amerikanischer Reiseveranstalter, als jetzt beim Treffen der Touristikexperten nahezu aller Pazifikstaaten, der jährlichen "Pata-Convention" im mexikanischen Acapulco, bekannt wurde, daß sich auch Spanien und die USA zu einer Weltausstellung rüsten. Die Australier wollten ursprünglich ihr 200jähriges Bestehen 1988 mit solch einer Superschau zelebrieren, aber die prognostizierten Kosten ließen sie von dem Plan wieder Abstand nehmen.

Die Lücke werden nun die Amerikaner und die Spanier gemeinsam füllen: 1992 gedenken sie so der ersten Amerikafahrt von Christoph Kolumbus. In Chicago und Sevilla soll der Entdecker gefeiert werden. So zumindest der derzeitige Stand der Dinge; inwieweit sich andere Länder des geschäftsverheißenden Datums annehmen, ist noch offen. Schließlich hat Kolumbus halb Mittelamerika auf dieser Tour bereist, gar nicht zu reden von den Italienern, die sich der eigentlichen Herkunft des Westindien-Seglers erinnern könnten.

Chicago hat allerdings schon so aufgetrumpft, daß anderen Bewerbern außer Sevilla wahrscheinlich die Lust an kolumbianischen Weltausstellungen vergeht. Die "Second City" der USA hofft auf direkte Einnahmen von rund 750 Millionen Dollar und erwartet Ausgaben von 743 Millionen Dollar, so rechnete es zumindest der Präsident der "Chicago World’s Fair Corporation" einem Unterausschuß des US-Senats vor. Weil aber nicht nur Senatoren inzwischen gelernt haben, daß Kosten binnen der Vorbereitungsjahre gerne astronomisch steigen, die späteren Einnahmen aber nicht unbedingt, hat der Präsident noch indirekte Erträge für die Wirtschaft Chicagos von maximal 1,8 Milliarden Dollar errechnet. Schließlich geht er von 55 bis 65 Millionen Besuchern aus. Und das ist selbst für das Land der immer noch ziemlich unbegrenzten Möglichkeiten eine happige Prognose.

Vor dem Andrang der Millionen ist aber eventuell noch ein millionenteures Gerichtsverfahren gesetzt. Der Staat New York will vielleicht die Bundesregierung in Washington verklagen, weil diese das Ereignis von Chicago unterstützt. New York will aber selber 1989 eine Weltausstellung ausrichten, der Anlaß ist die 200. Wiederkehr der Gründung der US-Regierung in New York City. Und ausgerechnet das will Washington nicht mit einer Weltausstellung gewürdigt sehen, heißt es verbittert in Manhattan. Die US-Bürger sind mittlerweile fast schon Weltausstellungsprofis, sie hatten im vergangenen Jahr eine "Expo" in Knoxville und wollen sich im kommenden Jahr bereits wieder in New Orleans "exponieren". Gemessen am Vorhaben von Chicago seien diese beiden Ausstellungen allerdings kleine Veranstaltungen, hieß es jetzt.

Gar nicht kleinlich soll es 1989 bei der Grande Nation zugehen; Frankreich feiert die 200 Jahre, die seit der Französischen Revolution vergangen sind, so, wie es die Welt erwartet: mit einer Weltausstellung. Diesen Plan haben unsere westlichen Nachbarn bereits vor langer Zeit angemeldet, dort, wo man seine Weltausstellungen ordentlich registrieren und absegnen läßt, beim "Bureau of International Exhibitions". Dieses Büro hat unter anderem dafür zu sorgen, daß sich die Weltaussteller gegenseitig nicht ins Gehege kommen. Deshalb müssen jetzt die Länder, die sich in dem Büro zusammengeschlossen haben, entscheiden, ob die drei Weltaussteller überhaupt zeitlich so nahe beieinander um die Weltbürger buhlen dürfen. Vier Fünftel der Mitglieder müssen zustimmen, das wollen Spanien, Frankreich und die USA in einem gemeinsamen Werben erreichen. K. V.