Trotzköpfchens lebenslanger Kampf um Anpassung wurde in den dreißiger Jahren geschrieben. Auch Nesthäkchen und Pucki nahmen damals Gestalt an. Ich lernte sie nach dem Krieg kennen und verlor sie dann aus den Augen. Ich dachte auch, daß Pucki, Nesthäkchen und Trotzkopf längst zur Antiquität verstaubt seien – in Bibliotheken allenfalls noch beachtet von jenen, die wie ich sich an frühe Lese-Erlebnisse erinnern wollen. Aber so ist es nicht. Trotzkopf und Pucki (33. Auflage) sind noch immer stille Bestseller und tragen noch immer das Bild "von der lieben kleinen Frau" (O-Ton Pucki, O-Ton Trotzkopf) in "empfindsame offene Mädchenseelen" (Trotzkopf).

Trotzkopf ist im vergangenen Jahr fürs Fernsehen verfilmt worden. Die Bücher werden nach der Ausstrahlung wie immer reißend weggehen. Auch Pucki soll, so ein Verlagssprecher, möglicherweise demnächst visuell aufbereitet werden. Die Auflage von derzeit einer Viertelmillion pro Jahr wird sich dann spielend vermehren.

Es muß wohl so sein: Mit Trotzkopf und Pucki können sich immer noch viele Backfische – nein; Teenies – identifizieren. Pucki- und Trotzkopfbücher sind auch nicht nur Schenkebücher von Großmüttern an Enkelinnen. Eine Buchhändlerin: "Die Mädchen kaufen die Bücher, vor allem die Pucki-Bücher, meistens selbst." Es muß also für sie (wie für uns damals) in Ordnung sein, wenn "aus einem argen Wildfang ein braves kleines Mädchen wird". Hat sich denn gar nichts geändert?

Ob ich etwa gegen elterliche Autorität sei, fragt mich der Mitarbeiter vom Titania-Verlag (Pucki). Ob ich denn etwa auch dafür sei, mit Kindern über alles zu diskutieren. Ob ich denn nicht sehe, daß Verbote notwendig seien und auch das elterliche Machtwort Die jungen Menschen würden doch sonst ganz orientierungslos.

Als "Mütterchen" sagt Pucki, wie es aus ihrer Sicht wohlgetan ist mit der Erziehung: "Die Eltern wissen schon, wann ihre Kinder Schläge verdienen. Wenn ein Kind ein Unrecht begangen hat, muß es auch einmal Schläge bekommen." Zwecks Orientierung.