Auch die neuen Billigmarken haben den Absatz der Zigarettenindustrie nicht recht zu beleben vermocht. In den ersten vier Monaten wurden nur knapp 36 Milliarden Zigaretten, über 13 Prozent weniger als in der gleichen Zeit des Vorjahres, abgesetzt. Etliche Raucher nutzten offenbar den Preisschub vom vergangenen Sommer, um von ihrem Laster zu lassen. Und außerdem wurden wohl noch längst nicht alle zum Selbstdrehen übergewechselten Konsumenten für die Fabrikzigarette zurückgewonnen.

Die Erosion der klassischen Marken der Industrie ging im April unterdes weiter. Seit im März alle großen fünf heimischen Hersteller ihren Bestsellern mit Billigmarken Konkurrenz machen, hat sich das Marktgefüge erheblich verändert. Während Marktführer HB von den Hamburger BAT Cigarettenfabriken im April auf einen Marktanteil von nur noch 12,4 Prozent kam (Ende 1982: 17,9 Prozent) und die Nummer zwei, die Marlboro von Philip Morris von 14,2 auf 10 Prozent sackte, findet sich auf Platz drei ein Neuling: die billige West von Reemtsma mit 8,3 Prozent Marktanteil. Lux von Brinkmann und Krone von BAT standen im April nicht mehr auf der Liste der zehn meistverkauften Marken. Auch den sechsten Platz nimmt ein Neuling ein: die L&M von Philip Morris. Unter normalen Umständen wären diese rasanten Erfolge der Neueinführungen als eine Sensation gefeiert worden. Jetzt aber sind die Hersteller mit dem Erfolg ihrer Billigmarken nur teilweise zufrieden: weil sie die Kapazitäten auslasten helfen. In die Kassen indes bringen sie nichts.

Mittelständische Familienunternehmen, zur vollen Publizität ihrer Geschäftsergebnisse nicht verpflichtet, tun sich mitunter schwer, wenn sie nach den Gewinnen ihres Betriebes gefragt werden. Einerseits wollen sie ihre Karten nicht vollständig auf den Tisch legen, andererseits aber möchten sie doch etwas zur Lage ihres Unternehmens sagen. Formulierungen wie "voll befriedigend" oder "angemessen" sind da bisher eher verschleiernd als erhellend.

Manfred P. Wahl, Vorsitzender der Geschäftsführung der Dürr GmbH in Stuttgart, hat da jetzt etwas Klarheit in die bisher ungenaue Terminologie gebracht: "befriedigend" heißt demnach zumindest bei der Dürr-Gruppe ein Gewinn von fünf Prozent des Umsatzes vor Steuern, "sehr gut" würde der Ertrag genannt, wenn zehn Prozent übrigbleiben. Für die von ihm geleitete Maschinenbau-Gruppe kann Wahl für das Jahr 1982 dem Vorsitzenden seines Verwaltungsrates, dem AEG-Chef Heinz Dürr, ein "befriedigendes" Ergebnis vorlegen. Ein Jahr zuvor war nur ein "knapp befriedigend" erreicht worden.

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Der Arbeitsbeginn des Internationalen Finanzinstituts, jener im Januar gegründeten Evidenzzentrale über Länderschulden, verzögerte sich – vor allem, weil sich die 35 Gründerbanken seither noch nicht auf einen Chef dieser neuen Institution einigen konnten. Die einen wollten eine sachkundige Persönlichkeit des politischen Lebens an die Spitze berufen, die anderen einen politisch versierten Bankier, der Europäer, aber nicht Franzose sein, den obersten Rängen der Bankwelt angehören und nicht nur bei der Weltbank und beim Währungsfonds, sondern auch bei den Schuldnerländern Gesprächspartner auf höherer Ebene finden soll.

Inzwischen hat sich die Waage zugunsten des Politikers geneigt. In des nächsten Tagen wollen die Königsmacher in Telephon-Konferenzen die Frage so abklären, daß sie bei ihrer nächsten Zusammenkunft am 13. und 14. Juni in Tokio den Gekürten der Öffentlichkeit präsentieren können. Manfred Lahnstein, ehemals Bundesfinanzminister im Kabinett Schmidt, und Horst Schulmann, ehemals Finanzstaatssekretär, liegen noch immer mit im Rennen um den mit 300 000 Dollar dotierten Posten.