Nachdem die Voraussetzungen und Grundlagen geschaffen worden sind, der Wahlsieg, die Regierungsbildung, die Regierungserklärung und die Debatte darüber – folgt nun die Feinarbeit in der Koalition, auch personalpolitisch Soviel wie jetzt hatte Bonn lange nicht über Personen zu reden – vom Wechsel an der Spitze des Presseamtes über den bisher tiefsten Knick in der politischen Karriere Kurt H. Biedenkopfs bis zu den vielen Neu- und Umbesetzungen zumal im Bereich des Bundesinnenministeriums.

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Mag der Wechsel von Diether Stolze zu Peter Boenisch, zumindest was den frühen Zeitpunkt und die schnelle Prozedur angeht, einigermaßen überraschend sein, Biedenkopfs knappe Niederlage gegen Bernhard Worms ist es nicht. Zu deutlich hatte sich in den letzten Wochen abgezeichnet, daß des Professors Drängen auf eine Entscheidung über den Spitzenkandidaten der CDU gegen Johannes Rau und die in Nordrhein-Westfalen noch immer starken Sozialdemokraten zu früh und zu ungeduldig kam. Und erst recht hat sich in den drei Jahren seit dem freiwillig-unfreiwilligen Abschied Biedenkopfs aus Bonn gezeigt, daß sich in Düsseldorf und auch bei seiner scheinbaren Hausmacht, dem westfälischen Parteiverband, kein rechter Humus für den brillanten Intellektuellen Biedenkopf bilden wollte.

Über der Düsseldorfer Politik schwebe immer ein leichter Bierdunst, hat einmal ein ebenso genauer wie süffisanter Beobachter geschrieben. Da mußte Worms, sozusagen das rheinische Unionsmilieu in Person, mit seiner unermüdlichen Basisarbeit an Theken, Tresen und ähnlichen Orten wie automatisch in die Vorhand geraten.

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Aber auf eine so exzellente politische Begabung wie Biedenkopf kann die Union natürlich nicht verzichten, so unbequem und scharf sezierend er ihr oft auch auf den Leib gerückt ist. Zwar hat der Professor gleich am letzten Wochenende, als seine Parteifreunde ihn als Düsseldorfer Oppositionsführer entmachteten (was ihn auch seinen Sitz im CDU-Präsidium kosten wird), tapfer geschworen, daß er dem Lande verhaftet bleiben wolle. Auch ist denkbar, daß er, ohne Spitze gegen Helmut Kohl, nun noch mehr dazu beitragen wird, daß neben der Bonner Regierung auch die Partei weiter zu ihrem Recht kommt. Von einer möglichen Verwendung in Brüssel oder auf anderem internatonalen Parkett will er jedenfalls einstweilen nichts wissen. Und es ist ja auch durchaus die Frage, ob ein Bernhard Worms ausreicht, um Johannes Rau und der nordrhein-westfälischen SPD Paroli zu bieten und sie bei den Landtagswahlen 1985 aus der Macht zu kippen.

Am künftigen Schicksal Kurt H. Biedenkopfs wird sich erweisen, ob die Union noch fähig und bereit genug ist, eines ihrer besten Talente nicht brachliegen zu lassen, oder ob sie im Genuß ihrer wiedergewonnenen Machtfülle am Ende doch nur ein Achselzucken für seinesgleichen übrig hat.