Josef Stingl, Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, meinte es gut mit seinem Parteifreund Helmut Kohl. Seine Untergebenen wies er kürzlich an, den Jugendlichen, die sich nach Kohls Lehrstellenversprechen an den Bundeskanzler gewandt hatten, um einen Ausbildungsplatz zu bekommen, "unverzüglich ein Beratungsgespräch anzubieten", und für diejenigen, die schon als Bewerber um einen der begehrten Plätze gemeldet sind, "die Vermittlungsbemühungen intensiv fortzusetzen".

Offenbar hat der Präsident die Folgen seiner Anweisung nicht ausreichend bedacht. Allzu leicht nämlich könnten eifrige Mitarbeiter sein Schreiben so interpretieren, daß die jungen Menschen, die den Kanzler beim Wort nehmen wollten, bevorzugt vom Arbeitsamt bedient werden sollen.

An der Gesamtsituation freilich würde sich damit gar nichts ändern. Denn wenn die Wirtschaft nicht mehr Ausbildungsplätze als im letzten Jahr zur Verfügung stellt, bleiben trotz Stingls guter Absicht viele Schulabgänger ohne Lehrstelle. Ob es nun die sind, die an den Kanzler geschrieben haben, oder die, die auf eigene Faust ihr Glück versuchen, ist für die Bilanz am Ende egal. Und Kanzler Kohl wäre seine Verantwortung auch nicht los.

Stingls Vorstoß kann deshalb wohl nur eins bedeuten: Schulabgänger, wendet euch alle an den Regierungschef, dann klappt es mit der Lehrstellengarantie. Ob sein Brief so gemeint war? ms