Mrgaret Thatcher läßt wählen. Die britische Premierministerin kann das Unterhaus nach freiem Entschluß entlassen und den Neuwahltermin vor Ablauf der eigentlich fünfjährigen Legislaturperiode festsetzen.

Das Recht der Parlamentsauflösung gibt dem Regierungschef eine starke Trumpfkarte. Margaret Thatchers Parteifreunde sahen die Gunst der Stunde, und in den letzten Tagen drängten sie immer ungeduldiger auf das Dekret der Chefin: Die glänzenden Umfrageergebnisse für die Tories, die mäßigen Gemeindewahlergebnisse der Labour Party und die Talfahrt der sozial-liberalen Allianz sprachen aus ihrer Sicht für den Wahltermin im Juni; ebenso die Aufschwungzeichen der britischen Wirtschaft, die bald umknicken könnten, und das immer noch lebendige Ansehen Margaret Thatchers aus den Tagen des Falkland-Krieges. Auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Williamsburg Ende Mai und dem EG-Gipfel in Stuttgart Anfang Juni mag sich die Premierministerin erneut werbewirksam in Szene setzen – rechtzeitig vor dem Urnengang am 9. Juni.

Also ein sicherer Sieg der Tories? Auch die besten Trümpfe stechen nicht, wenn sich die Spieler irren; Margaret Thatchers Vorgänger Wilson und Heath hatten 1970 und 1974 siegesgewiß Wahlen angesetzt und verloren. HJG