Gesundheitsurlaub im Schwarzwalddorf

Höchenschwand

Von Peter Pedersen

Klitschschweißnaß klebt das Hemd auf der Haut; und der Weg steigt immer noch an. Ich verschnaufe, strecke die Beine, in die sich der Muskelkater einschleicht, weit von der Bank und schaue hinab auf den Fluß und den kleinen Stausee und hinüber, wo der Wald Häuab, hangauf eine riesige immergrüne Welle schlägt. Auf den Wiesenmatten stehen fern einsame Häuser unter schützend herabgezogenen Dächern. Das Licht ist sanft und doch klar. Ein Bild wie von Hans Thoma habe ich im Blick. Ich raste auf der oberen Albtalschanze.

Es ist jedesmal das gleiche, seit mehr als einem Dutzend Jahren schon: Du bist heraufgefahren aus der Ebene, der tiefen im Norden Deutschlands, und willst dir sogleich den Ärger von der Seele und den Schreibtischspeck vom Körper laufen; und weil alle Straßen, Wege, Pfade bequem bergabwärts führen, eilst du leichten Fußes los und wanderst viel zu lange, viel zu weit am ersten Tag, wie du nun auf dem Rückweg merkst. Denn jetzt geht’s nur bergauf. Du keuchst die Stadtbleiluft aus deinen Lungenspitzen. In ein paar Tagen aber, weiß ich, wirst du denselben Serpentinenweg in einer Art von Sturmschritt nehmen, als wärst du ein gebirgsgewohnter Kaiserjäger. Das kommt davon, wenn man im "Dorf am Himmel" wohnt.

Höchenschwand heißt es. Man steigt in Freiburg aus dem Intercity in die Höllentalbahn um. In Titisee-Neustadt wird noch einmal umgestiegen in die Dreiseenbahn. Vorbei am Titisee also, am Windgfäll-Weiher, am Schluchsee längs, in Feldberg-Bärental hält der Zug auf dem höchstgelegenen Bahnhof der Deutschen Bundesbahn, 937 Meter über dem Meeresspiegel, schließlich Seebrugg, Endstation. Weiter mit Postbus oder Taxi auf der Bundesstraße 500, durch den Ort Häusern, Linkskurve, Rechtskurve, und da liegt sie, die Kirche mit dem Benediktinerkreuz auf dem Turm, an höchster Stelle auf dem Berg: Höchenschwand ist erreicht.

Das Dorf, mehr als 800 Jahre alt, lag hoch im Abseits. Als 1873 ein Hotel errichtet wurde, dort, wo früher das Wirtshaus "Zum Ochsen" stand, ahnten allenfalls die Meteorologen, wie gut und richtig es war, Gäste hierher zu locken. Sie hatten auf dem Höchenschwander Berg schon 1868 eine Station zur Beobachtung und Messung von Temperatur, Sonnenscheindauer, Regen- und Nebelhäufigkeit eingerichtet und fanden heraus: "Die Jahressumme der Sonnenscheindauer mit 1875 Stunden als Mittel stellt für die Mittelgebirgslage einen Höchstwert dar."