Für 1983 strebt AEG-Telefunken ein annähernd ausgeglichenes Ergebnis an. Wird dieses Ziel erreicht, hätten sich die Überlebenschancen des Konzerns entscheidend verbessert.

Wenigstens an der Börse hat AEG-Telefunken an Renommee zurückgewonnen. Die Aktien des Unternehmens, die monatelang ein Schattendasein geführt hatten und an denen die Hausse spurlos vorüberzuziehen schien, sind in den letzten Wochen sprunghaft gestiegen. Am Jahresschluß 1982 waren sie noch zum Preis von 28,10 erhältlich, inzwischen haben sie mehrfach die 80-Mark-Notierung gestreift. Der Tiefstkurs des vergangenen Jahres, als noch offen war, ob ein Konkurs vermieden werden konnte, hatte bei 22 Mark gelegen. Wer damals an die Zukunft der AEG glaubte und ihre Aktien kaufte, kann auf einen Kursgewinn von rund 260 Prozent zurückblicken.

Zu diesem ungewöhnlichen Kursanstieg wollte sich der Vorstandsvorsitzende des Konzerns, Heinz Dürr, auf der diesjährigen Bilanzpressekonferenz nicht äußern. Er tat damit etwas sehr Vernünftiges. Denn Vorstände sollten nur in Ausnahmesituationen zum Börsenkurs ihrer Gesellschaft Stellung beziehen.

Wenn der Kurs bei der AEG-Telefunken-Aktie in letzter Zeit explodiert ist, hängt dies mit den Spekulationen darüber zusammen, wieviel AEG für die 51prozentige Beteiligung an der früheren AEG-Telefunken Nachrichtentechnik GmbH (ATN) kassieren wird, die heute ANT firmiert. An der heutigen ANT hatten sich 1981 Bosch, Mannesmann und die Allianz zu 49 Prozent beteiligt. Sie zahlten dafür 245 Millionen Mark. Zum 31. Dezember 1982 zogen die drei Mitgesellschafter die übrigen 51 Prozent der ANT-Anteile ein. Das war nach dem Gesellschaftervertrag möglich. Was in diesem Vertrag aber offensichtlich nur ungenügend geregelt wurde, ist der Preis, der für die 51 Prozent an AEG-Telefunken zu entrichten ist.

AEG-Chef Dürr, sehr viel weniger auskunftsfreudig als in vorangegangenen Jahren (als über ihm noch kein Vergleichsverwalter stand), schwieg sich über diesen Komplex hartnäckig aus. Das ist verständlich; denn während der schwebenden Verhandlungen kann er sich unmöglich festlegen. Es gibt aber wohl keinen Zweifel, daß er die restlichen Anteile an ANT nicht freiwillig herausgerückt hat. Die AEG wäre sicherlich an diesem zukunftsträchtigen Unternehmenszweig beteiligt geblieben.

Deshalb ist eines sicher: So billig wie Bosch, Mannesmann und Allianz an die 49 Prozent der ANT herangekommen sind, erhalten sie die von ihnen eingezogenen 51 Prozent nicht. Die Börsenschätzungen bewegen sich zwischen 500 und 1300 Millionen Mark, wobei mir, meine verehrten Leser, die letzte Zahl ein reines Phantasieprodukt zu sein scheint. Aber so lange die Börsianer auf Vermutungen angewiesen sind, wird es solche Ausrutscher nach oben geben.

Möglicherweise stellt auch der AEG-Kurs von 80 Mark einen Ausrutscher dar. Für 80 Mark erhält man an der Börse schließlich eine Thyssen-Aktie, die immerhin noch zwei Mark Dividende abwirft und einen Konzern repräsentiert, dem es zwar nicht blendend geht, der aber die Stahlkrise doch bisher mit Anstand überstanden hat.