An rücksichtslosen Schulkindern zerbrechen viele gutwillige Lehrer

Von Heike Lebeck

Die Lehrerin wird Zeugin, wie einer ihrer Erstkläßler in übelstem Obszön-Vokabular eine kleine Mitschülerin beschimpft. Sie bittet den Pöbler in ruhigem, höflichem Ton zu sich, so wie sie es einst irrt Seminar gelernt hat, und wie es auch ihr üblicher Stil ist.

"Leck mich am A..., du alte Stinkfotze!" schreit der Knirps sie an. Ob pädagogisch vertretbar oder nicht – das ist ihr jetzt auch wurscht – fordert die Pädagogin den Knaben auf, die Schule für heute zu verlassen. Dieser also stapft geräuschvoll zur Tür, knallt selbige hinter sich zu, um sie gleich darauf wieder aufzureißen und zum endgültigen Abschied ein kräftiges "A...loch!" in die Stille des Entsetzens zu brüllen.

Eine Lehrerin jagt über den Schulhof, um einen entlaufenen kleinen Wildling einzufangen. Ihre unbeaufsichtigten ABC-Schützen gehen derweil in der Klasse über Tische und Bänke. Wenn etwas passiert, ist sie verantwortlich.

Eine Lehrerin scheucht Kinder aus stachligen passiert, heraus. "Alte Nutte!" tönt es aus sicherer Entfernung. Eine Lehrerin erklärt einer Schülerheraus. das Betreten des Werkraums ohne nicht erlaubt ist; es stehen dort nämlich elektrische Sägemaschinen. "Halt’s Maul!" ist die Antwort auf die freundliche Unterweisung.

Die Liste der verbalen Grobheiten ließe sich endlos fortsetzen und in noch weniger druckfähige Dimensionen steigern. Ist sie der erfrischende Beweis dafür, daß an bundesdeutschen Schulen keine angepaßten Duckmäuser mehr heranwachsen? Daß im Gegenteil die Mehrzahl unserer Kinder und Jugendlichen die demokratischen Tugenden der Kritikfähigkeit, des Mutes zur angstfreien Meinungsäußerung schon vortrefflich beherrscht?