Die Entscheidung, den Europäischen Rat in Stuttgart um knapp zwei Wochen zu verschieben, mag als weiterer Beweis für den Vorrang der Innenpolitik vor der Gemeinschaftspolitik bedauert werden, aber er trägt der Realität Rechnung. Nur Träumer können heute noch hoffen, daß einer der zehn Regierungschefs wegen einer Europa-Verabredung seine Macht riskierte. Dieser Gefahr jedoch hätte sich Margaret Thatcher ausgesetzt, wenn sie ihren Wahlkampf für die Gipfeltour unterbrochen hätte.

Die Verschiebung ist kein europäischer Beinbruch. Helmut Kohl hat mit dem geänderten Einladungstermin seinen Gästen und sich die peinliche Situation von Freiern erspart, die bis zuletzt an ihren Knöpfen hätten abzählen müssen. Kommt sie oder kommt sie nicht? Das Ratespiel wäre eine zusätzliche Belastung für eine ohnenin mit vielen Unwägbarkeiten befrachtete Konferenz gewesen.

Nun bleibt der deutschen EG-Präsidentschaft eine Atempause bis zum Schlußspurt. Bonn sollte sie nutzen, um für die Stuttgarter Tagesordnung das Erreichbare vom Wünschenswerten zu trennen. Der Fragebogen, den das Auswärtige Amt jetzt in den Hauptstädten der Partner ausfüllen läßt, könnte Klarheit über eine Agenda des Möglichen bringen. Der Zeitgewinn garantiert zudem noch eine andere Klärung: Ob in Stuttgart eine siegreiche und womöglich gelassenere Margaret Thatcher erscheint oder ein Labour-Premier, der Europa den Rücken kehren will. D. B.