Manche werten es als Beginn einer Wende in der deutschen Osthandelspolitik, daß der für den deutsch-sowjetischen Handel zuständige Ministerialrat im Bonner Wirtschaftsministerium buchstäblich an die Luft gesetzt wurde. Der Grundsatzreferent für den Handel mit der UdSSR Joachim Jahnke, ein Mann, der sehr viel für die deutsch-russischen Handelsbeziehungen getan hat, bekam ein anderes Referat: Er kümmert sich jetzt um die Luft- und Raumfahrtindustrie. Der Nachfolger von Joachim Jahnke, Ministerialrat Axel Gerlach, hatte bisher mit Fragen der Kernenergiewirtschaft zu tun.

Ministerpräsident Johannes Rau war in höchstem Maß überrascht, als er vom Chef des Bundeskanzleramtes, Staatssekretär Waldemar Schreckensberger einen Brief bekam. Zwar hatte Rau schon seit längerem auf die Antwort eines Briefes an Bundeskanzler Helmut Kohl gewartet, aber um die erwartete Antwort handelte es sich bei diesem Schreiben nicht.

Dies ließ den Ministerpräsidenten noch einmal wissen, daß der Bundeskanzler sich verpflichtet habe, jedem ausbildungsfähigen und ausbildungswilligen Jugendlichen eine Lehrstelle zu beschaffen, sofern man sich nur an ihn wende. Dann verwies der Chef des Kanzleramtes den Düsseldorfer Landeschef auf eine beigefügte Liste von 75 Lehrstellenbewerbern und bat, Johannes Rau möge sich doch der Sache annehmen.

Der Ministerpräsident wird zwar keine Mühen scheuen zu helfen, dennoch war er höchst überrascht, was man ihm im Bonner Kanzleramt alles zutraue. Unter den Lehrstellenbewerbern befand sich eine Reihe von Jugendlichen, die eine Stelle in Niedersachsen und bei der Deutschen Bundespost suchte. Für beide Bereiche sind aber zwei CDU-Politiker zuständig, Ministerpräsident Ernst Albrecht und Christian Schwarz-Schilling. Vielleicht hat das Kanzleramt zu beiden kein großes Zutrauen?

Während sich der Präsident der Bundesärztekammer, Karsten Vilmar, in Kassel nachdrücklich für die "Wende auch in der Gesundheitspolitik" eingesetzt hat und die Forderung erhob, "ausladenden Sozialbarock und schwülstige Versorgungsüberhänge" zu entfernen, hat der Justitiar des Deutschen Bundeswehrverbandes, Klaus Scholz-Villard, in Bonn eine ganze Reihe von Fällen aufgedeckt, in denen Ärzte ein allzu barockes Verhalten beim Rechnungenschreiben gezeigt haben.

An den Universitätskliniken Köln, Bonn, Mainz, Karlsruhe und München hätten sich Professoren und Fachärzte abgesprochen, für die Behandlung von Privatversicherten nur noch überhöhte Honorare zu fordern. Denn auch nach der neuen Gebührenordnung können die Ärzte mit ihren Privatpatienten Honorare nach eigenem Gutdünken aushandeln.

Das tun denn auch die von Scholz-Villard kritisierten Mediziner; das Sechsfache des Behandlungssatzes ist ihnen gerade gut genug. Barock hat schließlich seinen Preis.