Und die wird es auch noch allein durchstehen müssen. Denn nun hat jeder potentielle Fusionspartner, wenn er denn von Bonn gedrängt werden sollte, ein schönes Argument: Mit einem von Bußgeld in unbekannter Höhe bedrohten Unternehmen zu fusionieren, sei ja wohl nicht zumutbar.

So gehen denn die Blicke derer, die nach Hilfstruppen für die Klöckner-Werke Ausschau halten, beinahe zwangsläufig in Richtung eines anderen Unternehmens, das auch den Namen Klöckner führt. Gemeint ist das Handelshaus Klöckner & Co., das mit den Klöckner-Werken nicht nur zufällig das Hauptverwaltungsgebäude in Duisburg teilt. Denn beide Unternehmen gehören zu jenem Wirtschaftsimperium, das der 1940 gestorbene Konzerngründer Peter Klöckner hinterlassen hat. Aber diese Gebilde, zu dem auch noch die Klöckner-Humboldt-Deutz AG gehört, ist so diffizil konstruiert, daß von einer Verantwortung des einen für den anderen keine Rede sein kann – zumindest juristisch nicht.

Zwar ist Klöckner & Co. mit zehn Prozent an der Klöckner-Werke AG beteiligt – dies übrigens erst seit 1980 –, zwar gibt es vielfältige Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Unternehmen, eine Einheit sind sie jedoch nicht – es fehlt die Identität der Eigentümer. So gehört Klöckner & Co. zu mehr als 99 Prozent der Peter Klöckner-Familienstiftung. Zusammen weniger als ein Prozent halten die drei persönlich haftenden Gesellschafter Jörg A. Henle, C. Peter Henle und Karl A. Thoelke.

Eigentümer der Klöckner-Werke sind hingegen neben Klöckner & Co. die Stichting Verenigd Bezu in Den Haag, eine Stiftung holländischen Rechts, mit weniger als vierzig Prozent des Kapitals und freie Aktionäre, die demnach die Mehrheit der Aktien halten. Zu ihnen wird sich demnächst der australische Rohstoffkonzern CRA gesellen, bei dem wohl zunächst das von der letzten Hauptversammlung beschlossene Wandeldarlehen und später die dafür einzutauschenden Aktien landen werden.

Richtig ist freilich, daß die beiden Stiftungen, wenn nicht juristisch, so doch faktisch, eine Menge miteinander zu tun haben. Sie dienen nämlich dem Wohl der Nachkommen von Peter und Hanna Klöckner. Das Ehepaar Klöckner errichtete 1935 – nach dem Tode ihres gemeinsamen Sohnes Waldemar Peter Klöckner – die Familienstiftung, die später Eigentümerin des gesamten Klöckner-Vermögens wurde.

Waldemar Peter – von den Eltern Emar genannt – wurde 1913 geboren und war von seinem Vater dazu auserkoren, dessen Erbe anzutreten und den Konzern zu leiten. Dies ungeachtet der Tatsache, daß Peter und Hanna Klöckner Kinder aus je einer früheren Ehe mitbrachten – Peter die Tochter Julie Lilly Klöckner und Hanna den Sohn Helmut Küpper und die Tochter Anne-Liese Küpper, die später Günther Henle heiratet und Mutter von Jörg A. und C. Peter Henle ist.

Peter und Hanna Klöckner gründeten die Stiftung, um das Vermögen zusammenzuhalten und die Familie in Zucht zu nehmen. Denn zu holen gibt es nicht viel bei der Stiftung. Vielmehr ist das Ziel der Stiftung primär die Erhaltung der Klöckner-Unternehmen; die wirtschaftliche Sicherung der Familie steht nur an zweiter Stelle. In der Stiftungs-Satzung ist aufgelistet, zu welchem Zwecke Familienmitglieder Geld aus dem Stiftungsvermögen erhalten können. Dabei geht es in erster Linie um "Erziehungs- und Ausbildungsbeihilfen zur Sicherung einer ordungsgemäßen Erziehung und Berufsausbildung"-