Was die Stiftung für die Stiftungsberechtigten sonst noch bereithält, ist schnell aufgezählt: Aussteuern und Ausstattungen, Beihilfen für kinderreiche Familien, Altersversorgung zur Sicherung eines sorgenfreien Lebensabends, Krankheits-, Unfall- und Invalidenversorgung. Im übrigen aber sollen die Mitglieder des Klöckner-Clans ihren Lebensunterhalt selbst verdienen.

Deshalb sieht die Satzung vor, "daß den Abkömmlingen der Stifter Gelegenheit zur Mitarbeit in den Unternehmen des Klöckner-Konzerns gegeben wird. Dies allerdings nur unter der Voraussetzung, daß sie "nach Auffassung des Stiftungs-Vorstandes die hierzu erforderlichen Fähigkeiten und persönlichen Eigenschaften besitzen." Der Konzerngründer Peter Klöckner verwehrte also den "Abkömmlingen" nicht nur den Zugriff zum Vermögen, er sorgte auch dafür, daß nicht Unfähige in die Konzernspitze vordringen.

Nur der, der seinen Unterhalt nicht selbst verdienen kann, hat Anspruch auf ein "angemessenes Einkommen" aus der Stiftung. Damit es hierüber keinen Streit geben konnte, legte Peter Klöckner – der nicht gerade im Ruf besonderer Großzügigkeit stand – gleich fest, was er darunter verstand: Die Endbezüge eines Ministerialrats in einem Reichsministerium.

Alles freilich vermochte der Konzerngründer nicht im voraus zu bedenken. So nicht den Ausgang des Zweiten Weltkriegs, der unter anderem dazu führte, daß eine schon in den zwanziger Jahren nach Holland verlagerte Holding-Gesellschaft, die N. V. Handels-Maatschappij Montan in Den Haag enteignet wurde. Dieses Unternehmen hielt gut ein Drittel des Aktienkapitals der Klöckner-Werke, die damals beherrschende Gesellschaft bei Klöckner-Humboldt-Deutz (KHD) waren.

In langwierigen Verhandlungen mit der niederländischen Regierung erreichte es Günther Henle, der nach dem Tode Peter Klöckners das Regiment übernommen hatte, daß das Vermögen wieder freigegeben wurde. Der Preis war freilich, daß es im Besitz einer in Holland ansässigen Stiftung bleiben mußte. Begünstigte dieser Stiftung sind – wie bei der deutschen Familienstiftung – die Nachkommen von Peter und Hanna Klöckner.

Verbunden mit der Gründung der holländischen Stiftung war eine Neuordnung des Konzerns. Dabei fiel der Deutschen Stiftung das Handelshaus Klöckner & Co zu, das wiederum die Hälfte des KHD-Kapitals hält – während die Stichting Verenigd Bezit in Den Haag die heute unter vierzig Prozent liegende Beteiligung an der Klöckner-Werke AG zugeschlagen bekam.

Noch komplizierter wird dieses Firmen- und Familiengeflecht durch die "englische Linie". Diesem Familienzweig verdanken wir, so jedenfalls der amtierende Clan-Chef Jörg Henle, eine dritte Stiftung. Sie läßt sich auf Julie Lilly Klöckner zurückführen, Peter Klöckners Tochter aus erster Ehe. Sie wiederum war in erster Ehe mit einem Herrn Heimsoeth verheiratet. Aus dieser Verbindung stammt Inge Heimsoeth, die mit ihrem Mann Hugh E. Amos die englische Linie begründete.