Auf Betreiben dieses Zweiges wurde 1961 – im Jahr des Mauerbaus – die dritte Stiftung geschaffen. Begünstigte wie gehabt, der Sitz diesmal auf den Bermudas. Dieser Stiftung gehört über die Zwischenholding Andros Orbis AG in Panama die Züricher Holding-Gesellschaft Andros Orbis AG, die nach eigenen Angaben "19 Tochter- und Enkel- sowie zwei Beteiligungsgesellschaften, alle außerhalb der Bundesrepublik Deutschland" besitzt. Die mit einem Kapital von 500 Schweizer Franken gegründete Andros Orbis verfügt derzeit über Eigenmittel von 13,45 Millionen Schweizer Franken, hat also mit ihren Pfunden recht gut gewuchert.

Aber auch für diese Stiftung gilt, was Jörg Henle über das Verhältnis der beiden anderen Stiftungen zueinander sagt: "Keine Identität, keine juristische Verbindung, keine Verflechtung". Damit gibt es aber auch keine Verpflichtung, den Klöckner-Werken beizuspringen, was bei den zur Diskussion stehen Beträgen wohl auch über die Kräfte der beiden anderen Stiftungen ginge.

Die Andros Orbis ist zwar fast so geheimnisumwittert wie das Bermuda-Dreieck, aber schon ihre Eigenkapitalausstattung macht klar, daß der Brocken Klöckner-Werke für sie bei weitem zu groß ist. Klöckner & Co. schließlich hat andere Sorgen, seit das Bundesverfassungsgericht die Ersatz-Erbschaftssteuer für Familien-Stiftungen für verfassungskonform erklärt hat. Danach wird es künftig möglich sein, Familienstiftungen steuerlich alle dreißig Jahre einem simulierten Erbgang zu unterwerfen. Das soll verhindern, daß sich die Besitzer großer Vermögen durch die Gründung von Familienstiftungen um die Erbschaftssteuer herumdrücken.

Zum erstenmal wird diese Steuer für vor 1954 errichtete Stiftungen Anfang nächsten Jahres fällig. Bei der Peter-Klöckner-Familienstiftung geht es um gut eine Viertelmilliarde Mark, ein Betrag, der die Stiftung nach Einschätzung von Jörg Henle "zerschlagen" würde. Deshalb wird derzeit eine Änderung der Stiftungssatzung betrieben. Darin soll deutlich gemacht werden, daß es sich in erster Linie um eine Stiftung zur Erhaltung des Unternehmens Klöckner & Co. handelt.

Zu diesem Zweck werden die möglichen Ausschüttungen an Familienmitglieder noch stärker begrenzt; überdies soll festgelegt werden, daß die Familie bei einer Auflösung der Stiftung leer ausgeht. "Anfallsbegünstigte" wären dann nur noch die Städte Koblenz und Duisburg – Geburts- und Arbeitsort von Peter Klöckner. Wenn die neue Satzung bis zum Jahresende den Segen des nordrhein-westfälischen Innenministers findet, dann ist der steuerliche Aderlaß abgewendet.

Die Aussage von Jörg Henle, die Zahlung von etwa 250 Millionen Mark werde die Stiftung zerschlagen, macht aber auch klar, wo die Grenzen der Belastbarkeit liegen. Auch Klöckner & Co. oder die dahinterliegende Stiftung sind nicht in der Lage, den Klöckner-Werken die Last der Bußgeldlawine abzunehmen. Das wird dann bei Bedarf der Steuerzahler tun dürfen, wenn die Klöckner-Werke nicht pleite gehen sollen.