Von Gerhard Spörl

Berlin, im Mai

Den holländischen Friedensfreund packte Überschwang. "Wir können es schaffen", rief er ins Publikum, "wir müssen nur selber an unsere Stärke glauben – in Dänemark, England, in Italien und hier in der Bundesrepublik." Willig ließen sich die Abgesandten der Friedensbewegung von der Stimmung des Augenblicks tragen. Neben dem Rednerpult entfalteten fünf Spanier rasch und geschickt ein Transparent und hängten es an die Wand des seelenlosen Internationalen Congress Centrums. Da stand nun: "Spanien – raus aus der Nato! Nato-Basen raus aus Spanien!" Noch einmal applaudierten die Pazifisten sich selber und der Macht ihrer Ideen, als Robert Jungk, von allen verehrt, der "Europäischen Konferenz für atomare Abrüstung" dies mit auf den Weg gab: "Wenn wir uns gegen dieses Schicksal wehren, tun wir das nicht für uns, sondern für alle künftigen Generationen, denen das Leben verweigert werden könnte."

Katastrophenängste, der Alptraum von der Apokalypse – davon ließ sich die Internationale der Friedensfreunde in Berlin nicht niederdrücken. Sie glauben fest, daß der Wind der Geschichte ihre Segel bläht, und blicken zuversichtlich auf den Herbst voraus, wenn die Pershing II und Cruise Missiles stationiert werden sollen. "Ich kann mir nicht vorstellen", das war während der sechs Konferenztage ein ums andere Mal zu hören, "daß die Dinger wirklich kommen." Die Friedensbewegung sieht sich auf dem besten Weg, eine weltweite Massenbewegung zu werden: die katholische und die protestantische Kirche, Linke, Grüne, Gewerkschafter sind nachdenklich geworden und reihen sich in die Phalanx der Nach- und Aufrüstungsgegner ein. "Jetzt fehlen nur noch die Konservativen", resümierte Josef Lernen vom "Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz", der das Berliner Treffen organisieren half, mit Blick auf die deutschen Verhältnisse. "Aber auch da tut sich einiges."