Der Optimismus ist verflogen. Frohen Muts und mit viel Schwung waren die drei Journalistenorganisationen in der Bundesrepublik vor gut einem Jahr daran gegangen, ein großes Ziel endlich zu verwirklichen. Bis 1984, meinten damals Spitzenfunktionäre beim Deutschen Journalisten-Verband (DJV), bei IG Druck und Papier und Gewerkschaft Kunst in begeisterter Aufbruchstimmung, werde die einheitliche Mediengewerkschaft als neue Säule im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) aus der Taufe gehoben werden können.

Inzwischen sind die Erwartungen sehr viel gedämpfter. Je näher der Termin rückt, je konkreter die Dreier-Gespräche in der Verhandlungskommission werden, um so heftiger werden auch die Debatten in den Organisationen, die den Schritt zu dieser "Ehe zu Dritt" wagen wollen.

Zwar sind in den letzten Tagen zwei wichtige Hürden genommem worden, doch die Probleme sind damit noch längst nicht vom Tisch. Immerhin: Die Gewerkschaft Kunst, kleinste unter den DGB-Schwestern, erfüllte eine wichtige Voraussetzung für die Bildung der neuen Organisation.

Mit knapper Mehrheit stimmten ihre Delegierten beim außerordentlichen Kongreß in München für die Umwandlung der Organisation in eine Mitgliedergewerkschaft. Bisher war die Gewerkschaft Kunst eine Art Mini-DGB, also ein Kartell von acht selbständigen Verbänden. Zwei von ihnen, die Deutsche Orchester-Vereinigung (DOV) und die Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger (GDBA), wollen freilich unbedingt an diesem System festhalten. Ihnen behagt der Mehrheitsbeschluß so wenig, daß sie gar mit dem Gedanken spielen, das Abstimmungsergebnis vor Gericht anzufechten.

Doch selbst wenn Bühnenangehörige und Musikanten einen so spektakulären Weg gehen, hätten sie damit nur eins erreicht: Der mit rund 20 000 Mitgliedern größte Verband in der Gewerkschaft Kunst, die Rundfunk-Fernseh-Film-Union (RFFU) und womöglich auch einige der kleineren Organisationen wagen dann den Alleingang in die Mediengewerkschaft. Die Gewerkschaft Kunst wäre also keineswegs gerettet, zumal der DGB die Bemühungen für eine einheitliche Interessenvertretung aller Beschäftigten von Presse, Funk und Fernsehen mit allem Nachdruck unterstützt. Dabei spielen neben politischen Gründen sicher auch finanzielle Erwägungen eine Rolle. Denn die Gewerkschaft Kunst ist seit Jahren Kostgänger der Arbeitnehmergemeinschaft.

Auch der Deutsche Journalisten-Verband mit seinen 14 000 Mitgliedern hat in der letzten Woche seinen Willen, eine Mediengewerkschaft anzustreben, noch einmal bekräftigt. Doch die Diskussion um dieses Thema machte zugleich seine Probleme mehr als deutlich. Vier der zwölf Landesverbände im DJV stehen der Mediengewerkschaft ausgesprochen skeptisch gegenüber. Zwei von ihnen haben dies sogar schon durch eine Mitgliederbefragung dokumentiert. Dabei sollte es eine solche Abstimmung mit einheitlichen Fragen und gleichzeitig in allen Verbänden eigentlich erst dann geben, wenn die Verhandlungskommission ein konkretes Ergebnis vorlegen kann.

Viele zweifeln denn auch inzwischen daran, ob der Journalistenverband die Hürde zur Mediengewerkschaft im DGB geschlossen nehmen kann. Noch immer nämlich gilt, was der frühere DJV-Vorsitzende Manfred Buchwald so formulierte: Besonders unter den älteren Jahrgängen im DJV gäbe es nun einmal viele Kollegen, die das Wort "Gewerkschaft scheuen, wie der Teufel das Weihwasser".