Vorschläge für eine konzertierte Weltwirtschaftspolitik

Von Valéry Giscard d’Estaing

Ende nächster Woche treffen sich die Staats- und Regierungschefs der wichtigsten Wirtschaftsmächte der freien Welt in Williamsburg. Sie werden von den Hoffnungen aus aller Weit begleitet, daß es ihnen gelingen möge, die Menschheit von den Plagen der Wirtschaftskrise zu befreien.

Ich möchte hier im Anschluß an die Vorschläge meines guten Freundes und früheren Partners Helmut Schmidt meine eigenen Überlegungen darüber vortragen, was für die Weltwirtschaft, für die internationalen Währungsbeziehungen und ganz allgemein für das Wohlergehen unserer Demokratien getan werden sollte. Wir wissen alle, daß wir in einer sich wandelnden Welt leben, aber 1983 bietet neue Chancen und Risiken. Der Rückgang der Ölpreise gibt uns die Möglichkeit, die Wirtschaftskrise zu beenden, mit der wir in den letzten zehn Jahren leben mußten.

Ich bezweifle nicht, daß das Endergebnis von Williamsburg aus den gleichen Gründen wie beim Versailler Gipfel eine Mischung aus sorgfältig formulierten diplomatischen Plattitüden und einigen sinnvollen Passagen sein wird, denen unglücklicherweise ihre Substanz durch abweichende Interpretationen sofort wieder entzogen wird. Wenn die europäischen Länder an nationalen Politiken festhalten, die miteinander unvereinbar sind, wenn Europa abermals seine Unfähigkeit zu neuen Initiativen demonstriert, wenn die Diskussionen zwischen amerikanischen, japanischen und europäischen Staatsmännern sich mehr an Einzelheiten mit ihrer von Bürokraten eingebauten Tendenz zur Konfrontation klammern statt an fundamentalen Themen – dann droht der Gipfel zu scheitern.

Als Initiator der acht Jahre alten Gipfeldiplomatie halte ich sie auch heute noch zur Behandlung der wichtigsten Weltwirtschaftsprobleme für geeignet. Ich hoffe, daß sie in einer nicht allzu fernen Zukunft wieder eine positive Rolle bei der Überwindung weltwirtschaftlicher Schwierigkeiten spielen wird.

Auf dem in bescheidenem Rahmen veranstalteten Gipfel in Rambouillet vor acht Jahren waren wir übereingekommen, daß das eigentliche Ziel des Treffens die direkte Diskussion von Mann zu Mann sein sollte, um die persönlichen Überzeugungen, Ziele und Einwendungen, der einzelnen kennenzulernen. Es sollte nicht eine von jenen Konferenzen sein, auf denen einmal mehr die Verwalter das Wort führen. Wir dachten, es sei nützlich zu wissen, was die Entscheidungsträger denken, um die Zweideutigkeiten, Widersprüche und Enttäuschungen zu vermeiden, die gewöhnlich mit einer Politik einhergehen, der es an Stoßkraft und klarer Orientierung fehlt.