Hawaii, das Traumziel vieler amerikanischer Urlauber, leidet unter einem neuen Billigtourismus. Die Hotels in der Luxusklasse sind bislang zwar kaum betroffen, aber sie sorgen doch schon von Urlauber aus Europa sollen den Nachschub an zahlungskräftigen Gästen sichern.

Liest man derzeit amerikanische Zeitungen, muß man Hawaii für ein Paradies zu Diskountpreisen halten. Die Fluggesellschaften überschlagen sich mit Sonderpreisen zwischen Kalifornien und der Inselgruppe, zugleich offerieren sie Unterkünfte, die billiger sind als der Aufenthalt zu Hause. Appartements werden bereits für 20 Dollar pro Nacht und Person angeboten, nicht selten ist in diesem Preis sogar schon ein Mietwagen enthalten. Die meisten Hotels der Mittelklasse können bei diesen Preisen nicht mehr mithalten und stehen vor großen Problemen. Unter ihnen leidet die gesamte Fremdenverkehrsindustrie, von der die Inselgruppe vornehmlich lebt. Die billig eingeflogenen und billig untergekommenen Touristen leben auch billig. Sie versorgen sich im Supermarkt selbst und verzichten auf die Angebote der Gastronomie auf Hawaii. Weil sie mit knappem Budget reisen, besuchen sie auch selten Bars, Show-Theater und andere Einrichtungen, auf denen die hochentwickelte Touristikwirtschaft im "Aloha Staat" basiert. Die wachsenden Besucherzahlen sind da nur ein schwacher Trost.

Die Hotels der Luxuskategorie sind von den heftigen Preiskämpfen in den unteren und mittleren Beherbergungskategorien noch nicht betroffen. Ihre Klientel ist nicht gewillt, vom gewohnten Servicestandard abzugehen und bezahlt auch die entsprechenden Preise, wie Repräsentanten führender Hotelketten jetzt bei einem pazifischen Touristiktreffen in Acapulco/Mexiko bestätigten. "Aber wir schauen uns dennoch nach neuen Gästekreisen um", erklärte Peter Mahler, der deutschstämmige Marketingdirektor der Hilton-International-Gruppe in New York.

Diese neuen Gästekreise vermuten die Verkaufsstrategen der Bettenkonzerne vornehmlich in der Alten Welt, insbesondere im reisefreudigen Deutschland. Die Begeisterung der Deutschen an USA-Reisen ist weiterhin ungebrochen, wenngleich der Wunsch nach einer USA-Reise nicht immer mit den Tatsachen im Portemonnaie in Einklang zu bringen ist. Hawaii-Reisende aus Europa haben aber bereits hohe Kosten für die Anreise zu tragen, deshalb schlägt sich der Unterschied zwischen einem Luxus- und einem Mittelklasse-Hotel in der gesamten Reisekalkulation nur geringfügig nieder, schätzen die Hotelkaufleute. K. V.