Ulrich Linse (Hrsg.): "Zurück, o Mensch, zur Mutter Erde. Landkommunen in Deutschland 1890-1933". Flucht aus der Stadt, alternatives Landleben, Rückkehr zur Natur aus politischen, religiösen oder philosophischen Motiven – (fast) alle Formen sind schon einmal ausprobiert worden, vor über 50 Jahren in Deutschland, um in Gemeinschaft bäuerlich zu wirtschaften und die Entfremdung der Stadtarbeit zu überwinden. Einige Experimente muteten von Anfang an skurril an, manche waren von Anfang an zum Scheitern verurteilt, weil die Landkommunarden nichts von der Landwirtschaft verstanden oder fehlendes Kapital zur Übernahme von Höfen zwang, die wegen Unrentabilität aufgegeben waren. Bemerkenswerter sind indes die Experimente, die länger dauerten, und ihre Ergebnisse: Gemeinsame Ideologien haben nie die zwischenmenschlichen Schwierigkeiten, die sich aus einem anspruchslosen Leben auf engem Raum ergaben, überwinden können; jede Kommune zerbrach, und nur wer eher eine Genossenschaft als eine Gemeinschaft war, überstand mehr als fünf Jahre. Nie und nirgends konnte auf Lohn(anreiz) verzichtet werden; daß jeder freiwillig so viel für die Gemeinschaft tue, wie in seinen Kräften steht, erwies sich als Illusion. Nur dort, wo die Kommune/Siedlung ihre Beziehungen zur "Außenwelt" nach den Kriterien von Markt und Gewinn regelte, reichte die finanzielle Basis; alle anderen Kommunen waren auf Spenden angewiesen. Keine Siedlung konnte das Doppelspiel von Gemeinschaftsideologie und ökonomischer Autarkie je erreichen. Die verschiedenen Modelle sind knapp und übersichtlich vorgestellt, eine Einleitung schildert die verschiedenen Wurzeln der Siedlungsbewegung (eine Spur zu akademisch), Bilder, Literaturverzeichnis: ein geglücktes Buch über ein überraschend modernes Thema, (dtv München, 1983; 359 S., DM 14,80) -bi