Verrückt

„Monty Python’s wunderbare Welt der Schwerkraft“ von Ian MacNaughton. Es war nicht die feine englische Art, die vor mehr als zehn Jahren „Monty Python’s Flying Circus“ zur erfolgreichsten Komödienserie des britischen Fernsehens machte. Als Pioniere der inspiriert impertinenten und wüst geschmacklosen Blödeleien schockierten damals sechs Gentlemen (Graham Chapman, John Cleese, Terry Gilliam, Eric Idle, Terry Jones, Michael Palm), die mal mit Bowler und Regenschirm, mal mit Spitzenkleid und Blümchenhut, mal als Milchmann, Oberst oder sexhungriger Eheberater ihr Unwesen trieben. Inzwischen gehören respektlose Verulkungen durch TV-Serien wie „Klimbim“ oder Filme wie „Kentucky Fried Movie“ längst zum Repertoire, und ihr 1972 gedrehter erster Film „And Now for Something Completely Different“ (Originaltitel) mit seinen heute eher zahmen Nonsense-Sketchen ist von (antiquiertem) Vergnügen vornehmlich für eingefleischte Monty-Python-Fans. Terry Gilliams verrückte Zeichentrick-Einlagen hatten allerdings schon damals ihren perfiden Charme: Killerautos machen dem Überhandnehmen der Fußgänger ein Ende, und Babys wissen sich süßlich plappernder Tanten wirksam zu entledigen. Die Monty-Python-Truppe haben seither längst filmisches Neuland betreten. Der wilde Witz der „Ritter der Kokosnuß“ und der zum blasphemischen Skandal hochstilisierten Leben-Jesu-Parodie „Das Leben des Brian“ hat selbst die schlimme Synchronisation überstanden. Der jüngste Film dieser Anarcho-Truppe läuft als britischer Wettbewerbsbeitrag in Cannes und ist im Sommer in den Kinos zu erwarten: „Monty Python’s Der Unsinn des Lebens“. Helmut W. Banz

Sehenswert

„Das Rollover-Komplott“ von Alan J. Pakula könnte man als „Jäger des verlorenen Dollar“ bezeichnen: Action im Wall-Street-Dschungel, „Apocalypse Now“ in der Welt der Hochfinanz. „Rollover“ (der Originaltitel ist ein Fachausdruck für finanzielle Transaktionen) enthält alle Elemente der Kolportage: Araber, Sex und schöne, rücksichtslose (d. h. reiche) Menschen, die in der hermetischen Abgeschlossenheit ihrer Banken, Penthousebüros und Luxuslimousinen mit Bilanzen, Devisen, Krediten und Zinsen jonglieren. Es ist eine Finanz-Fiction-Katastrophen-Phantasie um Korruption, Mord, Profit und allgegenwärtiges Mißtrauen, die Elemente des „film noir“, des romantischen Melodrams, des Polit-Thrillers und des Western kombiniert. Die Protagonisten – Jane Fonda als kühle Mondäne und Kris Kristofferson als texanischer Bankier – sind Archetypen des amerikanischen Kinos und des amerikanischen Traums, deren ungebrochener Glaube an die Macht des Individuums hier ironisch-spielerisch und metaphorisch-böse demontiert wird. Das alptraumhafte Gefühl einer um sich greifenden Irritation und Unsicherheit, das die Bilder (vom Fellini-Kameramann Giuseppe Rotunno) vermitteln, läßt „Rollover“ als abschließende Fortsetzung von „Klute“, „Zeuge einer Verschwörung“ und „Die Unbestechlichen“ erscheinen, die seine „Trilogie der Paranoia“ zu einer Tetralogie erweitert. „Rollover“ präsentiert die Faszination von Erfolg und Macht in einer extrem stilisierten Form – von Pakula als „Amerikanischer Barock“ charakterisiert (man könnte auch Pop-Art sagen). Kein Wunder, daß dieser noch vor seiner Styron-Verfilmung „Sophies Entscheidung“ gedrehte Film ein sehr zwiespältiges Kritikerecho in den USA fand und erst verspätet hierzulande verliehen wird. Und wohl auf ähnlich negative Reaktionen treffen wird. Helmut W. Bau

Empfehlenswerte Filme

„Das Gespenst“ von Herbert Achternbusch. „Eine ganze Nacht“ von Chantal Akerman. „Diva“ von Jean-Jacques Beineix. „Zwei Löwen in der Sonne“ von Claude Faraldo. „Passion“ von Jean-Luc Godard. „Café Malaria“ von Niki List. „Danton“ von Andrzej Wajda.