DIE ZEIT

Atempause

Die Entscheidung, den Europäischen Rat in Stuttgart um knapp zwei Wochen zu verschieben, mag als weiterer Beweis für den Vorrang der Innenpolitik vor der Gemeinschaftspolitik bedauert werden, aber er trägt der Realität Rechnung.

Durch mehr Freizeit zu mehr Arbeit

Die Bundesrepublik steht am Vorabend eines sozialen Konflikts, wie sie ihn seit 1957 nicht mehr erlebt hat. Damals erzwang die IG Metall in einem sechzehn Wochen dauernden Arbeitskampf den Einstieg in die Lohnfortzahlung für erkrankte Arbeiter.

Auf den Barrikaden

Redaktionen sind Wesen von hoher kollektiver Erregbarkeit; da muß man nicht jede Gemütsaufwallung gleich für ein Erdbeben halten.

Streik-Parole

Oskar Lafontaine, Oberbürgermeister von Saarbrücken und Mitglied des SPD-Bundesvorstandes, übte sich in Persönlichkeitsspaltung.

Papier-Frieden

Vier Jahre nach dem Friedensvertrag mit Ägypten, fast ein Jahr nach dem israelischen Einmarsch in Beirut, ist der Kriegszustand zwischen Israel und Libanon durch Vertrag beendet worden.

Worte der Woche

"Ich meine, es sollte Grenzen dessen geben, was man den Bürgern zumuten darf – auch solche Grenzen, die sich aus dem Respekt vor den millionenfachen Opfern von Terror und Krieg aufzwingen.

Zeitspiegel

Melina Merkouri, die streitbare Kulturministerin Griechenlands, hat unerwartet Schützenhilfe bekommen. Die frühere Sängerin bemüht sich um die Rückkehr der Skulpturen von der Akropolis, die Anfang des 19.

Eine Privat-Sache

Der Zusammenprall zwischen Verlag und Redaktion des stern ist einzigartig wegen der Rigorosität, mit der beide Seiten ihren Machtkonflikt bei voll geöffnetem Vorhang austragen – einzigartig aber auch, weil er fundamentale Fragen der freien Presse in seltener Schärfe aufwirft.

Ein Stern versinkt

Wie die Berteismänner von Gütersloh auszogen, um im Illustrierten-Geschäft das Gruseln zu lernen und sich diesen Nervenkitzel zwanzig Millionen Mark kosten ließen – so ein Schauspiel hat die Branche noch nie erlebt.

Wolfgang Ebert: Kontinuität

Während der versprochene Aufschwung noch etwas auf sich warten läßt, scheint die versprochene konservative Wende schon im vollen Gange zu sein.

CDU-Parteitag: Endlich den Jubel abfackeln

Kern Zweifel, der Kölner CDU-Parteitag in der nächsten Woche verspricht Helmut Kohl zunächst ein Jubelfest. Ein triumphaler Wahlsieg, nach fast anderthalb Jahrzehnten das erste Bundestreffen der Union wieder mit einem Kanzler aus ihren Reihen, und dieser Regierungschef zudem beinahe auf den Tag genau zehn Jahre Vorsitzender der Partei – günstiger könnten die Umstände nicht sein.

Neuer Datenschutzbeauftragter: Brav statt unbequem?

Allenthalben wird in Bonn gewendet. Reinhold Baumann, am Dienstag offiziell als neuer Bundesbeauftragter für den Datenschutz in sein Amt eingerührt, verwahrte sich zwar gegen die Unterstellung, nun beginne auch die Wende im Datenschutz.

Der Mai der Rechten

Am 24. Mai 1983 wird ein anderer Palast im Brennpunkt stehen: An diesem ominösen Tag vertritt Erziehungsminister Alain Savary vor der Nationalversammlung im Palais Bourbon seine umstrittene Bildungsreform.

Schelte für Mitterrand

Ob es Rollenverteilung war, oder ob sich seine Sorgen in den Vordergrund drängten? Zufall war es jedenfalls nicht, daß Staatspräsident Mitterrand zunächst wirtschaftliche Themen aufzählte, als er gemeinsam mit Bundeskanzler Kohl die Ergebnisse des deutsch-französischen Regierungstreffens vor der Presse erläuterte.

Wahlen in Großbritannien: Keine Chance für die Lady-Killers

Sechzig Wahlkreise will Michael Foot in den nächsten Wochen besuchen, das sind drei pro Tag. Britische Wahlkreise, von denen es neuerdings 650 gibt, sind ein wenig kleiner als deutsche – aber der Labour-Führer geht auf die siebzig zu und ist nicht gerade gut zu Fuß.

Genfer Verhandlungen: Der Preis der Rüstung

Präsident Reagan tut sich schwer bei dem Versuch, den Kongreß von der Notwendigkeit zu überzeugen, Amerikas strategisches Raketenarsenal mit der neuen MX-Rakete zu modernisieren.

Chile: Trommeln auf leeren Töpfen

Laut Verfassung soll General Augusto Pinochet Ugarte mindestens bis 1989 als chilenischer Präsident amtieren; seit den Unruhen der vergangenen Woche ist jedoch fraglich, ob er im kommenden September noch den zehnten Jahrestag des Militärputsches gegen Salvador Allende feiern kann.

Tagebücher: Suche nach den Fälschern

Wo sind die 9,34 Millionen Mark geblieben, die der Stern für die gefälschten Hitler-Tagebücher gezahlt hat? Wer hat sie verfaßt? Kommen sie wirklich aus der DDR? Knifflige Fragen für die Hamburger Staatsanwaltschaft, die die Skandalaffäre untersucht.

Iran: KP-Verbot und Mullah-Machtkampf

Mit der Ausschaltung der Tudeh-Partei verfolgt die Mehrheitsfraktion des Teheraner Regimes zwei Ziele: Innenpolitisch nimmt sie ihren konservativen Gegnern den Wind aus den Segeln, außenpolitisch wendet sie sich gegen die Sowjetunion.

Polen: Störmanöver gegen den Papst

Zusammen mit den Bischöfen, deren Bistümer der Papst besuchen will (Warschau, Tschenstochau, Posen, Breslau, Kattowitz und Krakau) verabredete Kardinal-Primas Glemp Anfang der Woche in Rom die letzten Programmeinzelheiten.

Mittelamerika: Dissens

Doch dieser Bitte der mittelamerikanischen Demokratie, die keine Armee besitzt, wollten die vier Mitglieder der sogenannten Contadora-Gruppe – Panama, Venezuela, Mexiko und Kolumbien – nicht entsprechen.

BONNER BÜHNE: Feinsinnige Kontroversen und sinnige Anregungen

Die Feindseligkeiten in der Koalition sind lebhaft, aber unter Kontrolle. Für Münchner Umgangsformen fast schon nachsichtig kommentierte Franz Josef Strauß die Notwendigkeit, "ernsthafte Gespräche über Schlüsselgebiete der deutschen Politik" innerhalb der Koalition zu fuhren: "Für die FDP gibt es natürlich das Problem, eine Ostpolitik, die mit ihrem Namen und ihren führenden Persönlichkeiten aufs engste verknüpft ist, auch da rechtfertigen zu müssen, wo sie der Korrektur bedarf.

Drinnen, drunten, draußen

Es gibt heute dreierlei Arten von russisch geschriebener Literatur: Es gibt – in der Sowjetunion – die "legal" erscheinende Literatur, die man gemeinhin als Sowjetliteratur bezeichnet.

Fliegender Yogi: Kopfstände für den Frieden

Die Welt steht kopf – so laßt es uns auch tun!" sagt Swami Vishnu Devananda, ein aus Indien stammender kanadischer Yogi. Also macht er öffentlich Kopfstand vor Rathäusern und Parlamentsgebäuden in Wien, München, Belfast, Dublin, Jerusalem .

Tagebuch aus dem deutsch-französischen Krieg 1870/71: Fraglos, gefühllos

Auf verstaubten Böden stöbern, rostknarrende Truhen öffnen – ein Vergnügen, das jeden Fund von vornherein veredelt. So muß es auch bei einer Familie Scherff in Berlin gewesen sein, in der sich hartnäckig die Sage von einem großväterlichen Tagebuch aus dem deutsch-französischen Krieg gehalten hatte.

Die Deutschen und Amerika: "Hier ist die güldene Zeit"

Wer je die Selbstverständlichkeit erlebt hat, mit der die Nachfahren der Mayflower-Engländer oder die Iren Amerika gelegentlich für sich beanspruchen, der wird mit Befriedigung den deutschen Beitrag zur Erschaffung der Neuen Welt wiederentdecken.

Hinweis

Ulrich Linse (Hrsg.): "Zurück, o Mensch, zur Mutter Erde. Landkommunen in Deutschland 1890-1933". Flucht aus der Stadt, alternatives Landleben, Rückkehr zur Natur aus politischen, religiösen oder philosophischen Motiven – (fast) alle Formen sind schon einmal ausprobiert worden, vor über 50 Jahren in Deutschland, um in Gemeinschaft bäuerlich zu wirtschaften und die Entfremdung der Stadtarbeit zu überwinden.

" ...oder wir sind blamiert"

In der nächsten Woche, wenn es in der Kölner Messehalle wieder mal "aufwärts mit Deutschland" geht – so das Motto des 31. CDU-Bundesparteitags –, soll es auch für Norbert Blüm einen kleinen Aufschwung geben.

In der Schuldenfalle

Jedes Land hat seine eigene Krankheitsgeschichte und seinen eigenen Therapiebedarf. Mit diesem Satz wehrte sich Hermann Josef Abs, der Nestor der deutschen Bankiers, gegen die verbreitete Übung, alle hochverschuldeten Entwicklungsländer über einen Kamm zu scheren.

Neue Deutsche Welle: Ökono-Hit

Sie kann nicht mehr fern sein, die "geistig-moralische Wende", auf die Kanzler Kohl seine Hoffnungen für die deutsche Wirtschaft setzt.

Umweltschutz: Opferbereit

Die Kraftwerk-Manager kämpfen mit allen Mitteln, um die geplanten Umweltschutz-Vorschriften für ihre Abgase zu verhindern. Doch viel Hoffnung auf Milde können sie sich nicht mehr machen.

Uhrenindustrie: Ohne Staat

Die schweizerischen Bankiers sind – wer hätte das gedacht? – überaus großzügige Leute: Rund eine Milliarde Mark wollen sie in den nächsten Monaten aufwenden, um die helvetische Uhrenindustrie vor dem Untergang zu bewahren.

Bonner Kulisse

Manche werten es als Beginn einer Wende in der deutschen Osthandelspolitik, daß der für den deutsch-sowjetischen Handel zuständige Ministerialrat im Bonner Wirtschaftsministerium buchstäblich an die Luft gesetzt wurde.

Buße bis zur Pleite?

Stahlkrise, Strafen, Steuern: Die Existenz des Familienkonzerns Klöckner ist bedroht

Gespräche am Bankschalter: AEG-Aktionäre geschont

Wenigstens an der Börse hat AEG-Telefunken an Renommee zurückgewonnen. Die Aktien des Unternehmens, die monatelang ein Schattendasein geführt hatten und an denen die Hausse spurlos vorüberzuziehen schien, sind in den letzten Wochen sprunghaft gestiegen.

Börsen-Report: Wackelig

Das Klima in den deutschen Börsensälen ist kühler geworden. Die Kurse zahlreicher "erstklassiger" Aktien liegen bereits um zehn Prozent und mehr unter ihren bisherigen Jahreshöchstnotierungen.

MANAGER UND MÄRKTE

Man kann nicht sagen, er sei "zu Springer zurückgekehrt". Aber daß Eberhard von Brauchitsch wieder näher an den Zeitungszaren Axel Springer herangerückt ist, seit er als persönlich haftender Gesellschafter bei Flick im Zusammenhang mit der Parteispendenaffaire ausgeschieden ist – das darf gesagt werden, ohne daß die Behauptung widerlegt werden könnte.

Wissenschaft mehr nutzen

ZEIT: Herr Pieroth, für den Berliner CDU-Senat ist Halbzeit. Ist es in den vergangenen Jahren gelungen, eine Wende einzuleiten? Der Berliner DGB-Vorsitzende Pagels bezeichnet die Lage immer noch als "schrecklich".

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