Mit der Ausschaltung der Tudeh-Partei verfolgt die Mehrheitsfraktion des Teheraner Regimes zwei Ziele: Innenpolitisch nimmt sie ihren konservativen Gegnern den Wind aus den Segeln, außenpolitisch wendet sie sich gegen die Sowjetunion.

Nureddin Kianuri, der Generalsekretär der moskauorientierten iranischen Kommunisten, wurde im Teheraner Fernsehen vorgeführt. Der Chef der Tudeh-Partei "gestand", seine Partei habe seit Bestehen der Islamischen Republik im Auftrag Moskaus im Lande herumspioniert. Zwei Tage später erklärte der Oberste Staatsanwalt die Tudeh für aufgelöst. Um keine Zweifel an der Spionagetätigkeit der Tudeh aufkommen zu lassen, wurden 18 Angehörige der sowjetischen Botschaft aus dem Lande ausgewiesen. Sie seien, so die offizielle Erklärung der Regierung, Kontaktleute zwischen Tudeh und Moskau gewesen.

Kianuri und andere Parteiführer waren bereits im Februar dieses Jahres verhaftet worden. Bei ihrer Festnahme, so die Gerüchte, verrichteten sie ihre religiöse Pflicht beim Freitagsgebet. Diese Episode ist für die Politik der Tudeh unter Kianuri, dem Spötter den Beinamen "Ajatollah" verliehen haben, charakteristisch. Denn unter Berufung auf einen als Anti-Amerikanismus verstandenen Anti-Imperialismus hielt die Partei der "Linie des Imam Chomeini" auch dann noch die Stange, als die Massenhinrichtungen Andersdenkender längst eingesetzt hatten und Ansätze zu grundsätzlichen Änderungen der Wirtschafts- und Sozialpolitik längst ad acta gelegt worden waren.

Dank ihrer organisatorischen Erfahrungen, ihrer ideologischen Schulung und ihrer Kenntnis der anderen linken Organisationen lieferte die Kommunistische Partei dem Regime Argumente im Umgang mit seinen Kritikern und Gegnern. Sie leistete bei der Verfolgung von Oppositionellen effektive Spitzeldienste. Die Parteimitglieder arbeiteten in den Institutionen, ohne sich als Tudeh-Leute zu erkennen zu geben. Die für das Parteivolk herausgegebene Parole lautete, zwischen Islam und Sozialismus bestehe kein Widerspruch; man müsse die Islamische Republik in ihrem Kampf gegen den US-Imperialismus bedingungslos unterstützen.

Nach fast 30 Jahren im Untergrund wollte die Partei sich durch diese Anpassung an die herrschende Geistlichkeit wieder eine gewisse Legalität verschaffen. Durch das Mitschwimmen auf der Welle Chomeinis hoffte sie, den alten Makel des Atheismus allmählich in Vergessenheit geraten zu lassen.

Ihr strategisches Ziel sah die Tuden darin, durch unauffällige Mitarbeit in der Verwaltung, den Mitmitees, Revolutionsgarden und islamischen Arbeiterräten einen gewissen Einfluß auf die anti-amerikanischen Strömungen zu gewinnen und den Iran schließlich an die Sowjetunion zu binden. Die Kommunisten erreichten jedoch nur eine Existenz im politischen Halbdunkel. Sie besaßen weder ein Parteibüro, noch durften sie in den letzten zwei Jahren ihre Zeitung herausgeben. Man bediente sich ihrer als nützlicher Idioten – bis zu ihrem Verbot, für das zwei eng miteinander verknüpfte Faktoren maßgeblich waren:

  • Spätestens seit der iranischen Gegenoffensive im Golfkrieg im vergangenen Jahr wurde die Stimme "Radio Moskaus" gegenüber der Islamischen Republik allmählich kritischer, Die iranischen Machthaber griffen ihrerseits die Sowjetunion häufiger an – in den Medien und den Freitagsgebet-Predigten.
  • Als Vollzugsorgan sowjetischer Politik begann sich die Tudeh 1982 immer offener in die Auseinandersetzungen zwischen den zwei Fraktionen in der Führung des Landes, den anti-kommunistischen Hodjatis und der populistischen "Linie des Imam" einzumischen. Kianuri kritisierte in einer Reihe von Broschüren die von den Hodjatis dominierte Außen-, Arbeits- und Erziehungspolitik als "reaktionär und imperialistisch orientiert". Für die Tudeh waren "reaktionäre Hodjatis" verantwortlich für die grausame Repression und die Massenhinrichtungen. Die Tudeh rechnete damit, im Zweifelsfall von Anhängern der "Imam-Linie" gegen die Hodjatis in Schutz genommen zu werden. Die Partei übersah aber, daß die Geistlichkeit trotz ihrer inneren Widersprüche gegenüber einem Dritten solidarisch ist, zumal die Vertreter der Inam-Linie sich hüteten, wegen eines unliebsamen Verbündeten den Makel des Kommunismus in Kauf zu nehmen.

Ahmad Taheri