Von Brigitte Landes

Erinnerungen

Auf einmal, vor inzwischen langen fünfzehn Jahren, gab es ein Theaterplakat: breiter als hoch, hell und licht, ein Pferd mit einem Reiter über einer bläulichen Fläche, am Rande des vereisten Streifens Hügel, Kirchturm, Baum und Haus. Hell und weit prägte dieses Bild sich ein. Ein Plakat der Schaubühne am Halleschen Ufer für Peter Handkes Stück "Der Ritt über den Bodensee". Dieses Plakat ist zu einer Art Kultbild in Wohngemeinschaften geworden – aber das ist unwichtig.

Eine hügelige Landschaft, bräunlich und gelb, Norwegen und Ägypten; Pyramiden und riesengroß die Sphinx. Immense Entfernungen, die sechs Peer Gynts auf ihren Reisen durchmessen, aus einem kleinen norwegischen Dorf übers weite Meer in die sandige Wüste. Die Weite des Himmels darüber, Sonnenlicht und Sternenzelt. Das Bühnenbild zu "Peer Gynt", einer Wallfahrtsinszenierung der Schaubühne 1971.

Berlin

Berlin sei gut zum Arbeiten, sagt Karl-Ernst Herrmann, und er geht, wenn es nicht in Strömen regnet, zu Fuß zum Theater. "Sieht aus wie ein Schiff", der Mendelssohnbau am Kurfürstendamm. Die Büros, auch sein Atelier, sind klein und nah beieinander. Mit der Gründung der "neuen" Schaubühne am Halleschen Ufer 1970 kam Herrmann nach Berlin zurück, von wo er mit fünfundzwanzig ausgezogen war ins Bühnenbildnerleben über Ulm, Bremen, Braunschweig und die größeren Städte. Mit vierzehn war er von Neukirch/Oberlausitz nach Berlin in das Johannisstift gezogen. Der Sohn einer Leineweberfamilie lernt dort bei einem Graphiker, "der noch alle Schriften mit der Hand schreiben konnte", viel über Buchstaben, Schrift und Papier. Er wird Webergeselle an der "Meisterschule für Kunsthandwerk", studiert dann Graphik und besucht anschließend die Bühnenbildklasse von Willi Schmidt. "Eigentlich wollte ich ja mal etwas Kirchliches machen; Paramente und so Sachen." Herrmann berlinert ordentlich: so wirkt, was er sagt, wie weggesprochen, als sei es ganz unverfänglich, was er sagt. Und sonntags geht er gern spazieren im Grünen.

Natur