Während der versprochene Aufschwung noch etwas auf sich warten läßt, scheint die versprochene konservative Wende schon im vollen Gange zu sein. Dafür sprechen einige, unter dem Kennwort "Salamitaktik" laufende, Veränderungen in den Chefetagen von Ministerien, Funkhäusern, Redaktionen und Nachrichtendiensten. Mit Hilfe unseres "Mikro-Gedankenlesers" gelang es uns nun, bei der Antrittsrede eines neuen Chefs hinter dem Gesagten auch das wirklich Gemeinte zu erfahren.

"Meine Damen und Herren, meine zukünftigen Kollegen! Erlauben Sie mir, meine Amtszeit mit einem Dank an meinen Vorgänger, Herrn Däumel, zu beginnen, an dessen vorbildlicher Amtsführung ich mich dereinst werde messen lassen müssen. Ihr ‚Laden‘, wenn ich ihn mal so nennen darf, ist prima in Schuß!" –

(Der Kerl hat mir einen mit seinen Spezi durchsetzten liberalen Saustall hinterlassen. Um den auszumisten, brauche ich mindestens zwei Jahre.) –

"Allerdings hatte er es insofern leicht, als er das Glück hatte, mit einem eingespielten Team von Könnern zusammenarbeiten zu dürfen, auf das jeder Betrieb stolz sein würde,"

(Dieser Ton kommt selbst bei den Hartgesottenen an. Däumels persönlichem Referenten wird das amische Lächeln noch vergehen, wenn ich ihn aufs Abstellgleis schiebe.) –

"Ich weiß, daß Sie mich mit Skepsis empfangen, sogar mit einer gewissen Ablehnung. In dieses, von einem liberalen Geist beseelten Haus, kommt nun ein Mann konservativen Zuschnitts. Jawohl! Ich bin konservativ! Aber was heißt das schon?" –

(Das heißt, daß sich einige dieser Herrschaften ein bißchen umstellen müssen. Aber jetzt muß ich sie noch in Sicherheit wiegen.)