München

Die Welt steht kopf – so laßt es uns auch tun!" sagt Swami Vishnu Devananda, ein aus Indien stammender kanadischer Yogi. Also macht er öffentlich Kopfstand vor Rathäusern und Parlamentsgebäuden in Wien, München, Belfast, Dublin, Jerusalem ...

Der Guru, Verfasser zahlreicher, auch in Deutsch erschienener Bücher über Yoga, Meditation und östliche Philosophie, gab jetzt in München seinen neuesten Plan in Sachen Friedensmission preis: Mit einem superleichten Flugzeug will der nach eigenen Angaben "einzige fliegende Swami (=Yoga-Mönch) der Welt" Anfang September von West- nach Ost-Berlin fliegen.

So wie er mit dem Kopfstand die Absurdität der Weltpolitik karikiert, so will er mit dem Überfliegen der Grenze deren Künstlichkeit hervorheben. ist nicht des Yoga-Meisters erstes Unterfangen dieser Art: 1971 hatte er den damals auf beiden Seiten militärisch streng abgesicherten Suez-Kanal von Israel nach Ägypten überquert. Wenige Monate vorher war er von Dublin nach Belfast geflogen, um auch dort für den Frieden zu kämpfen. Aufseine Weise: einen israelischen Kampfflieger, der ihn – Gewehr im Anschlag – zurück auf israelischen Boden zwingen wollte, besiegte er "mit einer Ringelblume, die ich ihm zuwarf", erzählt Vishnu Devananda lachend. Der Israeli habe abgedreht, jedoch nicht ohne ihm noch eine geballte Ladung Luft aus seinen starken Düsen hinterherzujagen. Des Swamis kleiner Flieger habe geschlingert und sei nah am Abstürzen gewesen.

Später in Kairo habe man ihn und seinen jüdischen Ko-Piloten wegen illegalen Überflugs der Grenze festgenommen und drei Tage ins Gefängnis gesetzt. Anschließend seien sie noch drei Tage Gast der ägyptischen Regierung gewesen.

Beim irischen Friedensflug war der inzwischen verstorbene Schauspieler Peter Sellers sein Ko-Pilot. Auch hier warf der Swami Blumen statt Bomben und versuchte auf Flugblättern für die Einheit der Religionen zu werben.

Sein persönliches Risiko beim Überfliegen der Berliner Mauer sieht der 55jährige Meister so: "Es ist vollkommen egal, ob ich getötet werde oder nicht. Das heißt nur, daß ich früher als alle anderen sterbe. So viele Menschen sind für den Krieg gestorben, ich bin bereit, im Namen des Friedens zu sterben." Für ihn sind die wettrüstenden Regierungen die "größten Verbrecher – aber sich beklagen nützt nichts, schließlich sind sie – meist – vom Volk gewählt worden. Reden über Frieden reicht nicht. Er muß praktiziert werden."

Adelheid Ohlig