Auch die fünf Soldaten im IC 1514 nach Hamburg sind nicht gut gestimmt. Wenn sie vom Bund und von ihrer beruflichen Zukunft berichten, verfinstern sich auch ihre Gesichtszüge. Sie sehnen das Ende der fünfzehn Monate herbei. Jeden Tag wird das Zentimetermaß im Spind mit einem Scherenschnitt um ein Stückchen verkürzt

Einer berichtet, daß Kameraden auch beim Bund in ihrem Beruf arbeiten könnten. Ein anderer erzählt, daß er Kfz-Mechaniker sei und Lastwagen fahre und repariere. Es mißfällt ihm aber, daß seine Vorgesetzten "immer alles besser wissen". "Wenn ich unabhängig arbeiten könnte, würde ich sogar Freude am Job haben", sagt er.

So sehr sich die Soldaten auf das Wochenende freuen – ein Vergnügen ist es gewiß nicht, jeden Freitag und Sonntag viele Stunden im Zug zu verbringen. Und werden: ihre Aggressionen nicht noch geschürt, wenn auf den Bahnhöfen die Feldjäger patrouillieren oder ein Bahnpolizist mehrmals in die Abteile blickt und in schroffem Ton sagt: "Füße von den Sitzen!", oder wenn ein Fahrgast provoziert: "Es ist ja ein Wunder, daß hier noch nicht alles vollgekotzt ist"?

Doch selbst wenn die Bundesbahn auf den Vorschlag der soldatenfreundlichen Kommission einginge und einen zusätzlichen Intercity wieder für alle Wehrpflichtigen freigäbe, wäre das Problem kaum gelöst. Offen bleibt, ob weiterverhandelt wird. Denn besagte Kommission hat nach einjähriger Tätigkeit ihre Arbeit eingestellt. Sie war ja auch nur mit der "Prüfung von Lösungsmöglichkeiten" beschäftigt. So bleibt zu hoffen, daß noch einmal eine Kommission eingesetzt wird, die sich um die Lösung "der Verhältnisse bei der Deutschen Bundesbahn beim Transport von Bundeswehrangehörigen an Wochenenden" bemüht. Denn es wäre doch, wie sich der Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium Kurt-Peter Würzbach entrüstet, "ein armseliges Zeichen, wenn sich zwei Behörden in Friedenszeiten nicht einigten". Verena Ziegler