Sie kann nicht mehr fern sein, die "geistig-moralische Wende", auf die Kanzler Kohl seine Hoffnungen für die deutsche Wirtschaft setzt. Die vielgeschmähte Jugend jedenfalls hat offenbar verstanden, worauf es ankommt: "Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt, wir steigern das Bruttosozialprodukt" heißt ihr neuer Hit.

Das sind neue Töne in den Schlagerparaden. Da werden, in der unbekümmerten Sprache der Jugend, alte Tugenden besungen. Da fordert die Gruppe "Geier Sturzflug" dazu auf, sich wieder "hineinzuknien", wenn "früh am Morgen die Werkssirene dröhnt". Nichts mehr von der großen Verweigerung, no future für no future möchte man sagen.

Für die Neue Deutsche Welle in der Pop-Musik erschließt sich damit ein weites Feld. Denn auch die anderen Begriffe aus dem magischen Viereck der Ökonomie narren der Behandlung durch die leichte Muse; die Schlager über Vollbeschäftigung, außenwirtschaftliches Gleichgewicht und Preisstabilität müssen schnell geschrieben werden.

Der Aufschwung aber, da kann Helmut Kohl schon jetzt sicher sein, der Aufschwung ist da – zumindest für Geier Sturzflug, die für ihren Hit bisher rund 100 000 Mark kassieren konnten.