Die schweizerischen Bankiers sind – wer hätte das gedacht? – überaus großzügige Leute: Rund eine Milliarde Mark wollen sie in den nächsten Monaten aufwenden, um die helvetische Uhrenindustrie vor dem Untergang zu bewahren. Denn wieder einmal befindet sich diese traditionsreiche Branche in höchster Not, obwohl die Banken 1981 bereits 300 Millionen lockergemacht hatten. Jetzt aber soll aus der Fusion der zwei führenden Uhrenhersteller ASUAG und SSIH ein lebensfähiger Großkonzern entstehen, die "Uhrenindustrie Schweiz A.G."

Die Konzentration der Kräfte im Kampf gegen die Japaner auf einem völlig übersättigten Markt war dringend notwendig. In der kleinen Uhrenregion stehen 40 000 Arbeitsplätze auf dem Spiel, nachdem schon weitere 50 000 der Krise zum Opfer gefallen waren. Der Strukturwandel hat seinen Preis, und den bezahlen die Arbeiterschaft, die Aktionäre und die Gläubigerbanken.

Bemerkenswerterweise ertönt aber nirgends der Ruf nach dem Staat. Ein ganzer Wirtschaftszweig, der ebenso lädiert ist wie die Stahlbranche in der Bundesrepublik, soll allein mit privatwirtschaftlichen Mitteln saniert werden. Die helvetischen Bänkler sind vehemente Gegner jeglichen staatlichen Interventionismus. Ihre Überzeugungen bissen sie sich auch mal etwas kosten. Ro. W.