Erst nach einem Abbau des US-Budgetdefizits werden bei uns die Zinsen weiter sinken

Von Rudolf Herlt

Lapidar drückte Hans Friderichs, der Vorstandssprecher der Dresdner Bank, das aus, was die Unternehmer landauf, landab bewegt: "Eine Voraussetzung für die Erholung der Investitionsbereitschaft sind günstige Finanzierungsbedingungen. Hier ist viel erreicht worden; wir sind aber der Meinung, daß das Zinsniveau noch weiter ermäßigt werden sollte, und daß wir uns das auch leisten können."

Friderichs sagte auch, warum wir es uns leisten könnten: Das Defizit in der Leistungsbilanz sei überwunden, die Inflationsrate auf wenig über drei Prozent zurückgegangen, eine Zwei vor dem Komma sei denkbar. Der Realzins liege damit zwischen viereinhalb und fünf Prozent, in der gegebenen Lage sicherlich noch zu hoch, "unvertretbar hoch", wie Friderichs sich ausdrückte. Er empfiehlt deshalb, "daß sich die Zinspolitik der Notenbank weniger an den Zufällen der Geldmengenentwicklung als an den aktuellen gesamtwirtschaftlichen Erfordernissen orientieren sollte".

Das könnte als Mahnung an die Bundesbank verstanden werden, die Notenbankzinsen ohne Rücksicht auf stabilitätspolitische Notwendigkeiten noch einmal kräftig zu senken in der Hoffnung, daß der Kapitalmarktzins früher oder später folgt. Friderichs hat es offengelassen, ob er an diese Zusammenhänge glaubt. Sein Kollege Walter Sippel, der Landesbankchef aus Hessen, sagte klar; "Ich teile nicht den Optimismus, daß wir am Jahresende Effektivzinsen von sieben Prozent für zehnjährige Laufzeiten unterschreiten könnten."

Billigeres Geld

Der Prozeß der Zinssenkung war in der Bundesrepublik imponierend. Am kurzen Ende des Marktes, etwa für Dreimonatsgeld, fiel der Zins um acht Prozentpunkte auf etwas mehr als fünf Prozent. Am langen Ende, also für öffentliche Anleihen (siehe Kurve), müssen heute nur noch rund siebeneinhalb Prozent gezahlt werden, verglichen mit mehr als elf Prozent im Frühjahr 1981