Wo sind die 9,34 Millionen Mark geblieben, die der Stern für die gefälschten Hitler-Tagebücher gezahlt hat? Wer hat sie verfaßt? Kommen sie wirklich aus der DDR? Knifflige Fragen für die Hamburger Staatsanwaltschaft, die die Skandalaffäre untersucht.

Ermittelt wird wegen Betrugsverdachts gegen den inzwischen fristlos entlassenen stern-Reporter Gerd Heidemann und gegen den verhafteten Stuttgarter Militaria-Händler Konrad Kujau alias Konrad Fischer. Heidemann hatte die 62 Fischer. für das Hamburger Magazin angekauft, Kujau war der Magazin oder Zwischenhändler.

Zwischen dem 27. Januar 1981 und dem 29. April 1983 sind von einem Sonderkonto des Gruner + Jahr-Verlages 9 340 000 Mark an Heidemann übergeben worden. Er bekam das Geld in mehr als 20 Raten von jeweils mehreren hunderttausend Mark ausgehändigt.

Kujau behauptet, er selber habe davon lediglich 2,5 Millionen erhalten. Den Rest hätte er seinen Lieferanten übergeben – einem "Herrn Mirdorf" aus der DDR und einem "Herrn Lauser", der via Schweiz neue Kladden heranschaffte.

Heidemann wehrt sich gegen den Verdacht, er habe sich persönlich bereichert. Vielmehr habe ihm, so erzählte er seinem Reporter-Freund Will Tremper von Bild, der stern für jedes Tagebuch eine Prämie von 25 000 Mark bezahlt, die als zinsloses Darlehen getarnt wurde.

Beide – Reporter wie Lieferant – erzählen, das gefälschte Material sei aus der DDR geschmuggelt worden. Heidemann will mehrmals Geld gegen Kladden auf einer Autobahn in der DDR getauscht haben – aus fahrendem Wagen durch geöffnete Fenster. Die Geheimniskrämerei des stern erklärt sich zum Teil aus der Vertuschungsgeschichte, die angeblich Kujau erfunden hat. Besitzer des Materials sei sein Bruder, ein Generalmajor der DDR-Armee. stern-Reporter fanden inzwischen heraus, daß unter der angeblichen Adresse des "Generals" wirklich ein Bruder von Kujau lebt – der ist allerdings kein General der Nationalen Volksarmee, sondern Gepäckträger im Dienst der Reichsbahn.

Eine erste Kladde – sozusagen im Probelauf – ist 1978 aufgetaucht. Fischer-Kujau brachte sie dem Industrievertreter und Sammler Fritz Stiefel in Waiblingen; seinerzeit auch ließen sich der Stuttgarter Zeithistoriker Eberhard Jäckel und der Münchner NS-Spezialist August Priesack das Machwerk zeigen.